:: Gregor Fischer ::

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Across Australia - longest Trip ever!

 
 


Ich war ja schon überall auf dieser Welt - ausser auf dem fünften Kontinent - eben Australien. Obwohl ich mehrmals ganz in der Nähe unterwegs war - in China, Japan und Thailand - habe ich mir Australien aufgespart.

Ich war der Meinung, dort gebe es nichts wirklich Besonderes zu sehen und ausserdem hätte dies Zeit. Die Reise würde ich dann machen, wenn ich mal 'retired' wäre - mit Wohnmobil und so - das war die Meinung. Da ich aber der Weltlage  (und der 'Schweinegrippe') nicht mehr traue, habe ich den Trip sofort gebucht, sicher ist sicher!


Rumms - Good Morning, Australia!                                                        Sonntag, 30.08.09
 
Gegen sieben Uhr morgens machte die A380 eine Brutalo-Landung - warum weiss der Geier. Man kann ja mit den drei Kameras unter anderem an der Heckflosse den Approach mitverfolgen. Mir viel schon auf, dass während dem ganzen Final die 'PAPI's mindestens zu drei Vierteln rot waren. Wie auch immer, der Anflug war bei starkem Seitenwind sehr langsam (210 mph) und sehr tief. Die Landung war ein freier Fall von etwa 5 Metern Höhe. Was so ein Flugzeug aushalten kann, ist schon beeindruckend!

Wir Passagiere schauten einander mit grossen Augen an! Die schlimmste Landung meines Lebens in einem Airliner! Immerhin hatten wir die Monsungebiete ohne Schaden überstanden und jetzt schmeisst der Captain den schönen Vogel auf die Piste wie ein Anfänger!


Sydney: Sightseeing am Sonntag

Manchmal sagt der Sonntag recht viel über eine Stadt aus und wenn ein Wort für Sydney passt, ist es Serenity. Friedlich und eigentlich unglaublich provinziell präsentiert sich die Stadt, welche ziemlich hügelig ist.

Aufgepasst - es gibt eigentlich nur eine Brücke - schwierig zur Zufahrt, wenn man mal vom 8-spurigen Freeway weg ist. Immerhin muss diese Brücke Hunderttausende von Autos pro Tag über den Meerarm bringen.

Und wie immer in grossen Ländern: Die Einheimischen kennen den Weg - aber nur den ihren bis zum Supermarkt oder den Kumpels!


Das Beeindruckendste ist der Jet-Lag.

Ich bin ja dutzendmale nach den USA oder auch an andere Destinationen geflogen und kann mit der Zeitverschiebung gut umgehen. Aber Australien (mit genau 21 Stunden Flugzeit) und gesamten zwei kalendarischen Tagen, ist was ganz anderes.

Ich wollte eigentlich heute Sonntag bis nach Albury kommen - aber ich realisierte, dass ich nahe beim wiederholten Sekundenschlaf angelangt war und rettete mich in ein gepflegtes Hotel - Real Old Fashion!

Aber dies war eine Ueberraschung: Gerammelt voll ist das Restaurant mit fröhlichen Menschen und dies am Sonntagabend! Aussies, wie man sich diese vorstellt: Mit Kappe und einem grossen Bier vor der Nase. Nur angezogen, dass man warm hat - nix Haute Couture...

Das bestellte Menu 'Battered Fish with Ceasar Salad and French Fries' war schrecklich. Wie  lautet das Vorurteil?  Die Küche in Australien ist wie die englische - nur schlimmer. Stimmt!


Der Stempel der Eroberer ist geblieben.

Richtig eindrücklich sind die Häuser der Menschen, die hier leben. Ich finde nur eine Beschreibung dafür: Good Old England. Ueberhaupt ist Australien eine Mischung aus den USA und England. Die Städte (ausser den Wolkenkratzern) erinnern Südengland, also Sussex - aber auf dem Land kann ich mich nicht anders als in den USA wähnen.

Georgia, South Carolina oder Pennsylvania kommen mir an gewissen Stellen automatisch immer wieder in den Sinn - ein déja-vu!

Auch die Strassen und deren 'Bevölkerung' sind 'Amercan Way'. Natürlich fährt man auf der 'falschen' Seite und man trifft auch mal Radfahrer auf dem Autobahn-Seitenstreifen - aber fast alle Trucker kommen mit Peterbilts, Kenworths und Internationals daher. 
 



Kitschig schön und schon fast lieblich.                                            Montag, 31.08.09

Australien hat sein Herz im Südosten, zwischen Sydney und Melbourne - dazwischen liegt auch die Haupstadt Canberra, berühmt für sein futuristisches Parlamentsgebäude.

Am Sonntag ist da natürlich wenig los - aber immerhin, einige Touristen freuen sich ob der Architektur und fotografieren fleissig.

Canberra hat auch ein Casino und erstaunlicherweise ist dieses am Sonntag gut besucht. Vor allem Chinesen versuchen hinter Bergen von Chips an den Roulettetischen ihr Glück. Ich trinke ein Bier, beobachte die Leute und freue mich auf was kommt.


Australien ist auch eine Zeitreise.

Sobald man die grossen Städte verlässt, welche einander heute weltweit sehr ähnlich sind, wird ein Land authentisch. Die trifft besonders auf Australien zu. Kleinstädte, wie zum Beispiel Wangaratta sind schlicht in den siebziger Jahren stehen geblieben. Nicht, dass diese Zeit historisch wertvoll wäre und unter Heimatschutz gestellt worden ist - aber es hat einfach hier keiner mehr investiert. Diese Städte sind durch die Highways abgeschnitten worden und die Bewohner haben dies konserviert, was vorhanden war.

Als ich in Melbourne ankomme, ist es schon früher Abend. Ich checke mich im Hotel ein und gehe essen - merkwürdig, die Müdigkeit ist verflogen. Ich freue mich auf Melbourne - morgen.

 



Melbourne - eine Enttäuschung.                                                    Dienstag,  01.09.09

Natürlich kann man nicht während ein paar Stunden in einer fremden Stadt rumfahren und dann ein kompetentes Urteil abgeben. Trotzdem, es gibt Eckdaten und Faktoren, welche eine Stadt bewerten, wie zum Beispiel die Verkehrsverhältnisse, der Bauzustand und auch Grünflächen. Dazu kommt, dass die Menschen eine Stadt prägen - also ein Einwohner von Cannes ist nicht vergleichbar mit demjenigen von Mulhouse - und beides sind französische Städte von ähnlicher Grösse.

Kurz, ich fühlte mich von Anfang an nicht wohl - obwohl ich ja keine Vorurteile hatte. Ich lese dann heute abend noch den Reiseführer und versuche, zu verstehen, was mir da passiert ist.

Was mir sofort in Melbourne auffiel,  war der Dreck und die Hektik der Menschen. Keiner beachtet den anderen - jeder scheint für jeden Luft zu sein. Dies ist ganz flagrant und widerspricht dem Eindruck, den man generell von den Leuten hier in Australien hat. Die Kulisse ist zwar eindrücklich, aber bestimmt ist die Stadt zu schnell gewachsen.

Dazu kommt, dass offensichtlich die Verkehrsmisere gigantisch ist. Dazu tragen auch die vorsintflutichen Trams bei, die alle paar hundert Meter anhalten und den Verkehr natürlich aufhalten. Sowas wie Fussgängerinseln gibt es hier  nicht und man muss als nicht Einheimischer höllisch aufpassen, dass man merkt, wenn das Tram auch wirklich hält. Die Wartehäuschen sind in den Bäumen nicht einfach auszumachen und auch nicht überall vorhanden. Warum hat Melbourne noch ein verdammtes Tram aus dem letzten Jahrhundert?

Glücklicherweise habe ich ja in der Stadt selbst übernachtet und musste raus, nachdem ich mir das Zentrum in der Frühe angechaut habe. Der Stau in Richtung Melbourne auf dem Autobahn-Ring war über 10 Kilometer lang - sowas habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen.

Ueberall wird gebaut und ich war heilfroh, hatte ich das GPS dabei, sonst hätte ich wahrscheinlich während Stunden nicht rausgefunden.

Die M8 - also der Freeway nach Adelaide - war einfach nirgends signalisiert. Vielleicht kommt das noch eines Tages, wenn die mal fertig werden sollten.


Adeleide ist äusserst gepflegt und der Strand perfekt.

Die Fahrt hierher war allerdings mühsam und langweilig. Nun, glücklicherweise muss ich den Weg nicht mehr zurückfahren! Endlos, in immer den gleichen Ebenen mit den riesigen Feldern und ein paar dekorativen Hügeln mit Bäumen.

Wirklich nichts Empfehlenswertes. 500 Kilometer in nichtssagender Landschaft - nie wieder!

Vielleicht ist die Strasse dem Meer entlang kurzweiliger, vorausgesetzt, man hat die Zeit dazu - in dieser Hinsicht bin ich ja sehr knapp.

Ich habe mir heute noch Adelaide genau angeschaut.

Die Stadt mit einer Million Einwohner hat natürlich keine Skyscraper-Silhouette zu bieten, aber ansonsten ist alles da! Immerhin eine gepflegte, ruhige Innenstadt mit allen denkbaren Geschäften und vielen Spezialitätenrestaurants. Adelaide klotzt mit einem nicht endendwollenden Strand. Adelaide mit Melbourne vergleichen zu wollen, ist absurd. Ebenso käme niemand auf die Idee, Montreux mit Biel in Konkurrenz zu setzen. An Adelaide ist nichts auszusetzen.

Es gibt genügend Parks, öffentliche Plätze und verschwenderische Grünflächen. Den Verkehr haben die auch im Griff - sind doch im Norden der Stadt zwei Tunnels gebaut worden, damit der Verkehr zu den vielen privaten Residenzen am Berg (Mt. Gambier) gut abfliessen kann. Ich habe den Eindruck, Adelaide ist ehen langsam gewachsen und nicht explodiert wie die Millionenstadt Melbourne. Klein, aber fein - und die Menschen scheinen zufrieden.

 



Port Augusta und der Outback..                                                    Mittwoch,  02.09.09

Auf der Hinfahrt die erste schlechte Ueberraschung: Reifenplatzer, aber ohne weitere Konzequenzen. Nun, ich habe das Reserverad montiert und bin weiter gefahren um bei der nächsten Garage einen Schlauch montieren zu lassen.

Schön: Kurz nach dem Aufbocken hat einer angehalten um mir zu helfen. Daumen hoch, geht schon und Thanks!

In Port Augusta ist gar nichts von Interesse. Vielleicht das Beste im Ort ist das neue Touristen-Zentrum mit allem Nötigen für die Reise in den Outback und Kitschmitbringseln.


Outback? Ein paar Stunden reichen wirklich.

Ich mache mich also gleich auf den Weg in die Wildnis und die beginnt stark. Eine Strasse voller Windungen führt über eine Art Pass und dann die Ueberraschung: Eine gewaltige Ebene, ihrerseits allerdings in weiter Ferne mit Bergen begrenzt. Die gigantischen Weiden übrigens sind Kühe und Schafe freidlich beieinander sind teilweise  nicht eingezäunt und nun weiss ich, warum die Autos hier alle diese Büffelfänger vorne montiert haben: Einige Schafe liegen tot am Rand der Strasse. Arme Wilmas, einfach tot.

Ich fahre weiter bis zum Ort Hawker, der in den Führern als sehr pitoresk erwähnt wird. In der Tat ist das Kaff eine Art kleiner Wildwestort. Ich finde schnell das Hotel, denn für heute habe ich eigentlich genug. Der junge, allerdings angesäuselte Besitzer ist sehr unfreundlich und ich lasse die Buchung mal offen und verschwinde mit seiner Visitenkarte. Bei Bedarf rufe ich an, wenn ich im Ort bliebe. Ist ihm egal. Es ist kalt und im Auto übernachten wäre ungemütlich.

INoch etwa 50 km rolle ich weiter durch die Steppe, um zu entscheiden, ob es sich auch lohnt, die Mühe und Risiko auf mich zu nehmen, im schlimmsten Fall auf der unbefestigten Strasse liegenzubleiben. Das nötigste Survival Gear habe ich ja dabei.

Ich komme nun aber wirklich zum Schluss, dass man es bleiben lassen kann - denn der Outback ist sich offensichtlich immer ähnlich. Der Westen der USA hat landschaftlich wesentlich mehr zu bieten, das ist klar.

Ausserdem ist es hier noch verlassener als in Kanada,.denn es kann eine halbe Stunde vergehen, bis ein Auto vorbeikommt - und wenn, ist es einer dieser Roadtrains - wirklich unglaubliche Dinger! Um die Monster mal in Action zu sehen, hat sich das Herkommen schon fast gelohnt. Im Ernst - die wagen sich sogar in die Städte rein - unglaublich!


Himmel, saufen diese Outback-People alle wie Löcher?!

Der Entschluss ist klar: Ich werde heute noch Richtung Broken Hills fahren und dort irgendwo übernachten. Ich kann dann versuchen auf dem relativ grossen Flugplatz ein Flugzeug zu chartern. Das wird Spass machen und vielleicht liegt Brisbane noch drin. So war der Plan.

Nun macht mir aber die Müdigkeit einen Streich und die Augen werden schwer. Der Jetlag wirkt noch und das ist verdammt gefährlich, denn mit einem Sekundenschlaf bist du tot. Leitplanken sind hier selten.

Und siehe da im nächsten Ort mit dem sympathischen Namen Carriston ist ein altes Hotel noch beleuchtet. Ein Zimmer - kein Problem - und ein Bier steht auf dem Tresen.

Ok, gebucht, wenn es was zu Essen gibt!

Die Gäste und der Wirt sind so zugeknallt, dass sie immer das Gleiche widerholen. Die Wirtin bringt mir dann wenigstens einen Teller Fish and Chips und alle wollen mit mir reden. Ich bezahle schnell und verschwinde auf mein Zimmer. Die ganze Freude ob der eigentlich netten Kneipe ist dahin. Dass bis um 2 Uhr morgens gelärmt wird, muss ich hinnehmen.

 



Nochmal quer durch Wild Australia.                                Donnerstag, 03.09.09

Sicher ist es manchmal ein wenig langweilig, Hunderte von Kilometern abzuspulen und dabei kaum jemandem zu begegnen. Während Stunden ist nicht einmal ein Dorf zu sehen.

Aber dann kommt jeweils die angenehme Ueberraschung in Form eines Städtchens, das seit einem Jahrhundert unberührt scheint. Manchmal sind es Geisterstädte. Und plötzlich hält irgend ein Wunder die Gemeinschaft noch am Leben. So in Orrorro, eine komplette City, wie es früher einmal war.

Kein Supermarkt in Sicht - aber Commidities, Hairdresser, Plumber, Tankstelle, ein Bauunternehmen und diverse Coffee-Shops.

Ja diese Reise ist nicht wie die anderen. Es ist ein Trip der Gedanken und der Gefühle.

Es muss die Weite, die Ursprünglichkeit und vielleicht auch die Art und Weise, wie die Menschen leben, sein.

Mehr noch als die USA zeugt Australien von Generationen von Menschen, welche zwischen Gewalt, Ungerechtigkeit gegenüber den ehemaligen Bewohnern einerseits und Glauben an zu Zukunft verbunden mit Fleiss aus einem unberührten Kontinent das machten, was wir gerne mit Zivilisation umschreiben.


Broken Hill, Stadt der Zink- und Silberminen 

Nun bin ich endlich in Broken Hills angekommen und mache eine erste Sight-Seeing. Hier ist die Geburtsstätte der AFDS - der Flying Doctors - der weltweit grössten Organisation von Krankentransporten durch Flugzeuge. Im Unterschied zu unserer REGA sind aber keine Helikopter im Einsatz. Wieder eine besonderheit der Grösse dieses Landes,  vergleichbar mit Kanada.

Vermögend wurde die Stadt jedoch durch die  reichen Zinkvorkommen. Auch Silberadern existieren einige hundert Meter in der Tiefe. Noch vor hundert Jahren arbeiteten hier hunderte von Kindern ab 8 Jahren unter Tag.

Immerhin, vor allem als in den Neunziger Jahren die Rohstoffpreise wieder anstiegen, war klar, dass die Stadt weiter gedeihen würde. Es hängen 20000 Menschen davon ab

Die Eisenbahnlinie nach Adelaide wurde neu renoviert, um die endlosen Transporte mit dem Erz zum Hafen weiter zu sichern.

Der Boden ist vom Abbau verseucht und Bäume können in der Umgebung des Abraums nicht mehr gedeihen. Aber das ist ein kleiner Preis für den Wohlstand einer Stadt, sonst verloren in der Wüste!

 



Flying Doctors und ein bizarres Restaurant.                         Freitag, 04.09.09

Heute bin ich nicht sehr entschlossen, ob ich warten soll, bis der Aeroclub offen hat um ein Flugzeug zu chartern, oder mich nun auf den Weg nach Brisbane machen soll.

Ich beschliesse, den Flying Doctors einen Besuch abzustatten - wenn ich schon an dem mythischen Ort angekommen bin. Es besteht ein modernes, kleines Museum mit Führung und dazu wird im Kino ein gut gelungener Film über die Aktivitäten gezeigt. Der Aeroclub ist immer noch zu.

Schade, gerne hätte ich ein Flugzeug gemietet um einen Tag über den Outback zu fliegen.

Schon am Vorabend fiel mir ein futuristischen Bauwerk auf einem der Abraumberge der Zinkmine auf. Im Hotel bin ich auf einen Prospekt über Broken Hill gestossen und darin war das Gebäude erwähnt.

Es dient als Memory-Hall für all die toten Bergleute und als gediegenes Restaurant mit Kunstausstellung. Dies hat mich interessiert und so bin ich auf den Berg gefahren - um überrascht festzustellen: Bizarr und schön...

Wenn ich nochmals nach Australien fahren würde, bin ich mir sicher, dass ich ein paar Tage um Broken Hill verbringen würde. Die Wildheit Australiens ist hier besonders ausgeprägt zu spüren...

Don't do it again - 160 Kilometer Off-Road-Schotterpiste.

Es war ein Irrtum - eine Flüchtigkeit auf der Karteninterpretation. Anstelle auf dem langweiligen Barrier-Highway weiterzufahren, entschloss ich mich, die Stauseen, welche Broken Hills versorgen, zu besuchen - nur ein kleiner Umweg. Die war auch interessant - bis auf die Ueberraschung, dass einer der Seen ausgetrocknet war. Seit Jahren.

Ich wählte also die Route zurück auf den Highway und dann wurde zur Gewissheit, was ich befürchtet hatte: Schotterstrasse!

Ich hatte für einen Wasservorrat gesorgt und dies war mindestens beruhigend.

Immerhin überstand ich die Parforcefahrt ohne neuen Reifenschaden oder gar dem Zusammenstoss mit einem Tier. Ich war mit höchster Aufmerksamkeit unterwegs, denn es waren von Ziegen über Kühe und Schafe bis zu Straussen viele Spezies versammelt.

Ein Strauss kreuzte meinen Weg wenige Meter vor meinem Auto ohne jede Furcht - trotz Hupen und eingeschalteter Scheinwerfer.

Das Vieh war riesig und trotz der Vorgabe, auf Schotter nie zu bremsen, blieb mir keine Wahl. .Genug Outback - genug Abenteuer. Ich leiste mir ein luxeriöses Hotel in Cobar, dazu ein T-Bone-Steak und mit einem hervorragenden Glas Shiraz. Bis Morgen!

 



Erster Halt nach 120km im Biergarten von Nyngan.             Samstag, 05.09.09

Die Sensationen der Reise sind vorbei und ich habe Zeit. Am Anfang habe ich mich gewundert, dass die grossen Achsen auf diesem Kontinent nicht 4-spurig ausgebaut sind. Langsam wird es klar: Es sind einfach zuwenige Fahrzeuge unterwegs. Ein Drittel Road-Trains, ein Drittel Camper und der Rest Einheimische. Alle paar Kilometer ein Auto.

Trotzdem kommt man gut voran: Ob Truck, Camper oder Porsche (einen einzigen habe ich begegnet) - alle fahren stur 110kmh .

Eigentlich wollte ich ja bis Dubbo fahren, so heisst der grösste Ort hier in der Gegend mit 50000 Einwohnern, 500 km zu fahren. Aber da war der Biergarten von Nyngan!

Ich trinke ja kaum Bier und wenn dies wie hier noch 'Viktoria Bitter' heisst, tönt das nicht verlockend. Aber der Getzman kriegt einen Schattenplatz und der Pub hat wirklich einen wunderbaren Garten mit Tisch und Bänken im Rasen. Ich habe viele wichtige Prospekte angesammelt und lese die mal durch. Zwei VB's und drei Stunden später gehts weiter.


Ich schaffs dann noch noch bis Dubbo und bin neugierig, wie es in der Stadt am Abend aussieht. Viele Geschäfte sind offen und so geht die Zeit schnell vorbei. Im Hotel gibts Schafsragout oder so - die ganze Bude stinkt davon - aber seit meinen Englandjahren mag ich 'Lamb-whatever' nicht mehr riechen.

Also doch noch McDo, dort kann ich noch kurz aufs Internet und dann noch ein kleiner Spaziergang zum Abschluss des eigentlich ereignislosen Tages.

Friedlich ist es hier in New South Wales auf dem Land! Die Stimmung erinnert an Lugano oder Sussex.

Ich denke, dass Australien trotz der durchgehenden Zivilisation mehr Gegensätze als jedes Land der Erde aufweist. Eine Reise über zwei, drei Monate könnte einen dem Land so nahe bringen, dass man kaum mehr Lust hätte, nach Hause zurückzukehren - egal wo man herkommt! Nun, ich bleibe für den Rest des Lebens in Europa...
 




Ein Abstecher zum grossen Stausee muss sein.               Sonntag, 06.09.09

Am Sonntag ist ja eh nichts los - denkste! Die ganzen Supermärkte sind offen, sogar Aldi. Auf der Strasse ist genau der gleiche Verkehr wie unter der Woche. Sogar die Road-Trains rollen durch den Kontinent.

Also weg vom Freeway und die berühmte Touristenroute entlang zum Lake Burrendong. Vor sechs Jahren war er komplett ausgetrocknet und die ganze ehemalige Landschaft kam zum Vorschein.

Gebäude, Maschinen, einfach alles was die Leute liegen- und stehenlassen mussten. Die Photos davon sind eindrücklich und zeigen, dass damals schon vieles wie heute war: Grosszügiges Australien.

Die heutigen Besucher sind vor allem mit Ihren Booten beschäftigt. Es gibt keinen Landesteg und so kommen Dutzende mit ihrem Gespann daher, um ihre Schiffchen zu wassern. Alles läuft diszipliert ab - es sind ausser ein paar Wasserskicracks mit 300 PS-Booten meistens alte Herren, die noch einmal Kapitän spielen.

Das ganze erinnert mich an die 70-Jahre und an den Greifensee bei Zürich. Immer mehr spüre ich, dass Australien ausserhalb der Grossstädte die Siebziger zelebriert, obwohl sich das keiner bewusst zu sein scheint. Vielleicht merken die Menschen unbewusst, dass es ihnen am besten geht, wenn sie nicht zuviel Komfort erstreben. Egal, mir gefällts - Nostalgie pur!

 



Blue Mountains und  Jenolan Coves.                                                Montag, 07.09.09

Da ist eine Strasse durch die Blauen Berge welche auf der Karte mit 'Extreme Caution - Caravans prohibided' vermerkt ist. Da ist die Rede von 'breathtaking views' und 'Famos Jenolan Caves'. Im dicken Australien-Buch hatte ich gelesen, dass hier sowas wie ein Eukalyptus-Regenwald und Schluchten existieren - mit den letzen Koala-Bären in Freiheit.

Nachdem ich meinem 'Woityla' - so habe ich meinen Hyundai Getz getauft - schon jede Prüfung auferlegt habe, denke ich dass wir auch diese Schluchten  packen können. Aber es beginnt zu regnen und wird dunkel. Ich sage es gleich: Die Strecke ist irre! Vor dem Abgrund schützen nur verrottete Holzpfähle
und die Strasse ist nicht nur in jämmerlichem Zustand, sondern meist könnte man auch nicht kreuzen!

Dies war aber nicht nötig, denn kein Fahrzeug war unterwegs. Dazu kommt, dass das Gefälle weit über 20 Prozent sein soll! Klar, dass die schlüpfrige Strasse kaum etwas mehr als gemächliche Schrittgeschwindigkeit zuliess.

Es ist kein Wunder, dass in Australien soviele Unfälle mit Touristen passieren. Wir Europäer und Amerikaner sind einfach gewohnt, dass fast sämtliche Gefahren von uns ferngehalten werden. Das ist hier nicht der Fall und darum müssen die Menschen selber Verantwortung zeigen.  Als ich einmal anhielt, um im Regen Bilder zu machen, wurde ich vom penetranten Duft der Eukalyptusbäume völlig überrascht - umwerfend - sowas Intensives hat meine Nase noch nie erleben dürfen.

Solch eindrückliche Berge mit Schluchten hätte ich nie erwartet und diese hier sind auch einzigartig in Australien.

Diese natürlichen Hindernisse machten es den ersten Siedlern fast unmöglich, zu den fruchtbaren Plateaus im Westen von Sydney vorzudringen. Weiter unten, wo eine Zufahrt von der anderen Seite einfacher ist, befinden sich die Jenolan Caves - riesige Höhlen, welche auch mit Führungen begangen werden können.

Mir reichts, insbesondere mit dem miserablen Wetter - es sind weitere Gewitter im Anzug. Man soll ja nicht übertreiben mit dem Versuch, sein Glück dauernd auf die Probe zu stellen!


Noch ein eigenartig konserviertes Städtchen: Katoomba. 

Im Städtchen Katoomba kaufe ich noch eine CD mit australischer Musik und stöbere in einem Bric-a-Brac-Geschäft herum. Es ist die letzte Station vor Sydney und meinem Abflug und mit Sicherheit komme ich hierher nicht zurück - obwohl es mir sehr gefällt.

Ich  versuche darum, soviele Eindrücke wie möglich einzufangen und zu speichern.

Bilder sind nur optische Erinnerungen, aber dieses Land hat viel anderes zu bieten - unter anderem die Menschen, die weder gehetzt noch misstrauisch oder abweisend sind. Australien könnte für mich zum Traumland werden!

Wo gibt es noch ein westliches Land, dass die gleiche  Bevölkerungszusammensetzung wie vor dreissig Jahren aufweist? Australien hat sich nie als Asylland betrachtet und darum gibt es kaum Afrikaner und auch auffällige Muslime halten sich in Grenzen.

Einwanderer mussten Ausbildung und Arbeit nachweisen, sonst war da nix mit Immigration - schon gar nicht ohne Papiere. Australien ist eine Insel!

Dafür sind auffällig viele Chinesen und Inder im Land. Die arbeiten im Gegensatz zu den Afrikanern jedoch hart und haben es zu Wohlstand, Einfluss und Ansehen gebracht...

 



Sydney 2.0 - das ganze Programm.                                    Dienstag, 08.09.09

Ich habe mir den ganzen Tag gegönnt, Sydney nochmals anzugehen und zu leben. Von der Oper über die Parks, die Innenstadt und die Suburbs - alles war die Mühe wert.

Ja, Sydney ist die Big City von Australien - in jeder Hinsicht. Danke Down Under - 1A!

Ich werde vor allem mit meinen Bildern noch viel Freude haben, denn die Ausbeute ist sehr gut gelungen. Es hat Schönes, Kurioses und auch allgemein Bekanntes aus diesem Wunderland dabei.

A consommer avec moderation...

Zum Auto: Woityla - the Getzman.                                         09.09.09

Vor fünf Jahren habe ich den Hyundai Getz in Spanien entdeckt. Brandneu war er auf dem Markt und hatte keine 100 Kilometer auf dem Zähler, als ich ihn bei dem Autovermieter in Empfang nahm. Eine richtige Persönlichkeit! Der zwar rauhe, aber kräftige 3-Zyl.-Dieselturbo war ein Spass - die Sierra Nevada war leicht zu bewältigen.

Als mir der Vermieter von Eurocars am Flughafen einen Getz anbot, war ich sofort dabei - eben ein positives Vorurteil vom letzten Ride. Aber welche Enttäuschung!

In der Regel ist ja vor allem bei Kleinwagen der Benzinmotor etwas 'schlagfertiger' und vor allem viel leiser als der Diesel. Mit den Direktenspritzungen, variabler Zündung,  Schubabschaltung und elektronischen Tunings sind Benzinmotoren ebenfalls sehr sparsam geworden. Jedenfalls der C1...

So nicht mein Getz in Sydney: Satte 7 Liter verbrauchte das Wägelchen und der Motor (immerhin mit 1,6 lt  Hubraum) war träge und ohne Durchzugskraft. Nun, in Australien wird ja einfach überall 110kmh gefahren und da ist man immer bei den Leuten.

Warum Woityla?

Jedesmal, wenn man in Australien in einem Hotel eincheckt, muss man die Autonummer auf einem Formular vermerken. Nach den ersten Buchstaben kam mir der Name des vorherigen Papstes in den Sinn - und ein bisschen kam mir der Getz auch so vor: Etwas keuchend und am Ende des Lebens. (Immerhin 'feierte das Auto mit mir die 50000km!)

Etwas anderes hatte ich mir nicht überlegt: Die grossen Distanzen verlangen unbedingt nach einem Tempostat. Die Ausrüstung des Fahrzeuges war zwar gut - aber in diesem Bereich nicht komplett.

Ich hätte mindestens fragen sollen, was für Autos zur Verfügung stehen. Nach über einem Tag - damit meine ich 24 Stunden- unterwegs ist man froh, einen Untersatz zu haben um zum nächsten Hotel fahren zu können. Ausserdem dachte ich, den Getz zu kennen.

Trotzdem, es wird mir eine Lehre sein - ich habe meinen Optimismus mit einem lahmen, lärmigen und unbequemen Autochen teuer bezahlt.

 

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