:: Gregor Fischer ::

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 Northern-Tour Sommer 2012


 


 

 

The great Northern-Tour.                                                                            29.06.12

Der Carthago Megaliner, unter uns nun auch 'Hannibal' genannt, hat drei Vorteile gegenüber einem Campingcar, so wie man diese kennt:

Da ist der Superkomfort zu nennen (Zentral-heizung mit Radiatoren, grosszügige Fotovoltaik, ausechend für TV, Föhn und Microwelle) dazu  rund eine halbe Tonne Frischwasser. Das Erscheinungsbild und die offensichtliche Grösse des 'Trucks' erlaubt ausserdem, fast überall zu parken. Drittens herrscht sehr viel Platz - was ich als 1.90-Meter-Mann zu schätzen weiss. Die Nachteile sind die hohen Autobahn-Gebühren und der Bedarf des Lastwagenausweises.

Vorbereitung ist alles, denn Probleme kommen von alleine...

Die Vorbereitung einer Reise - und ich mache dies immer so professionell wie immer möglich - besteht normalerweise aus drei Dingen: Route, High-Lights und Unterkunft - sofern das Budget keine Grenzen setzt. Mit einem Wohnbus muss man sich natürlich um die Unterkunft nicht scheren, denn Hotels braucht man nicht - dafür ist die Route problematisch werden.

Es bestehen Höhen- Gewichts- und Fahrzeuglängen-beschränkungen, welche man als Normalo hinter dem Steuer gar nicht wahrnimmt. Besonders wenn man sich neben den Trampelpfaden bewegt, steht man plötzlich vor grossen Ueberraschungen. Dass Bergstrassen und Durchfahrten in historischen Städtchen vielfach tabu sind, ist klar - aber dass die meisten Fähren nur Fahrzeughöhen bis knapp über drei Meter akzeptieren, ist eine unangenehme Ueberraschung. Logisch eigentlich, dass man für ein Prozent der Kundschaft nicht spezielle Fähren baut und Raum ist auf Schiffen kostbar - aber dies muss man erst wissen...

Die Route ist - denke ich  - einfach perfekt.

Nun, wir starten in einer Woche in Frankreich. Die Route führt über Belgien, Holland, Deutschland und Dänemark nach Schweden. Natürlich werden wir schon auf der Anfahrt viele Highlights erleben: Einige Uebernachtungen mitten in der lebendigen Grosstadt (Amsterdam, Hamburg, Stockholm) oder auch an einsamen Stränden - aber das Ziel ist Norwegen! Die Eckdaten sind: 7000 Kilometer Fahrt (ohne die Crossings mit den Fähren), ein
Zeitrahmen von vier Wochen, acht  europäische Länder auf dem Programm und ein Budget von zirka 20'000 Franken - mal grob berechnet. Apropos Budget - spielt so ein mieses Unwort in der aktuellen Weltenlage überhaupt noch eine Rolle - ausser für die gebeutelten Griechen und Spanier?!

Ach ja, zwei Wochen später bin ich ja dann wieder mit dem US-Motorhome unterwegs - meiner 'Land-Yacht' im Land der unbescheidenen Konsumfreaks. Das ist dann jeweils ein richtiger Kulturschock, denn das Ding ist nochmal eine Klasse grösser. Nur schon die Inboard-Power-Unit frisst ein paar hundert Liter Sprit auf einer anständigen Tour. Dafür hat man ja auch drei Klimanlagen an Bord: Amerika ist ja immens - in jeder Hinsicht...



Zuerst mal ein Fazit.                                                                                     02.08.12

Eine anständige Reise, das heisst, eine über die Dauer eines Monats oder mehr im eigenen Wohnmobil zu erleben ist immer eindrücklich. Für mich ist dies nichts Neues und ich habe diesbezüglich noch viel vor

Eine Fahrt durch Europa ist heute mit dem Auto eine Zumutung. Zuviele Autos, schlechte Strassen und überall Baustellen mit Staus.

Erträglich ist so eine Tour nur noch mit einem luxeriösen, gorssen Wohnmobil. Ein Routenplan existiert natürlich bei mir. Auch die Legs, das heisst die einzelnen Abschnitte sind im Détail geplant.

Aber Staus, schlechtes Wetter oder auch andere Schwierigkeiten sind mit dem Wohnbus einfach nicht so präsent. Wenn man Lust hat, unterbricht man die Reise einfach jederzeit. Man hat immer seine 'vier Wände' mit und um sich.  Es ist alles da, es gibt kein Einchecken in Hotels und zuverlässig stehen die Komfortmerkmale der heutigen Zeit zu Verfügung. Damit meine ich eine Keramik-Toilette, (Keine dieser Kassetten wie in den Campern), geräumige Dusche, Klimaanlage, ein schön grosser Kühlschrank, Mikrowelle und Kaffeeautomat. Natürlich TV mit automatischer Satellitenanlage und ganz wichtig: Richtig grosse Wasser- und Gastanks. Lieber ein Tonne Wasser mitschleppen als dass die Duschbrause oder die Spülung versiegt...

Strassen sind ewige Baustellen.

Was wird heute überall an den Strassen repariert und gebastelt! Trotzdem bleiben sie weitgehend eine reine Prüfung für das Fahrwerk! Schweden, Norwegen, Polen und vor allem Belgien sind von keinem Interesse. Diese Länder und die meisten ihrer Bewohner sind einfach nur langweilig, unangenehm und vermutlich eine Voransage, wie es bald überall aussehen könnte. Ich werde diese Alpträume zuküftig meiden - das Leben ist zu kurz.

Möglich, dass ich eine der nachfolgenden Destinationen wieder mal besuche, aber nur noch mit dem eigenen Flugzeug: Amsterdam, Kopenhagen, Prag und Lübeck lrch ohnen einen weiteren Besuch über ein verlängertes Wochenende bei gutem Wetter mit Aufenthalt in einem der schönen Hotels. Besonders Prag hatte es uns angetan. Ich war ja in den letzten Jahren öfters in der Tschechischen Republik und bin eigentlich nie enttäuscht worden. Die Menschen sprechen auch leidlich Englisch oder Deutsch und somit bleibt das Vergnügen, sich einigermassen unterhalten zu können.
 



Tag 26, Mittwoch: Auspacken und Freuen.
                                           01.08.12

Wer eine Reise tut, der hat was zu erzählen. Das war immer so und dies gilt auch heute noch. Dazu kommt aber, dass man der Versuchung zu selten widerstehen kann, allen möglichen Kram zu kaufen - insbesondere, wenn man Ladevolumen hat, welche einen kleinen Umzug bewältigen können. Das nennt man Shopping.

Erst beim Ausladen und Auspacken  wird man sich bewusst, was man wieder mal mit der Kreditkarte, Umwelt und gutem Geschmack verbrochen hat. Beispiele? Ein schlecht funktionierender  Design-Staubsaugerroboter, Spezialscheibenwischer, eine Teespenderkanne - auch Design - alle möglichen Klamotten und ein LeMans-Armbanduhrchronograph - dies ein Geschenk!

Wir sind ja erfahrene Weltenbummler und ich selbst betätige mich seit jeher als Goodie-Jäger. So schlage ich zu, wenn ich was finde, das ich schon lange suchte. Ja auch im Zeitalter des Internets, Mitgliedschaft bei Ebay seit den Anfängen und zwar in Europa und den USA suche ich noch gewisse Dinge - zum Beispiel seit ewig ein Handy mit Rasier
funktion....



Tag 25, Dienstag: München, die Enttäuschung.
                               31.07.12

Wir hatten uns einen fröhlichen Abschluss in  München erhofft und damit gerechnet, zwei Tage in der bayrischen Hauptstadt zu verbringen. München ist ja eine Millionenstadt, die drittgrösste in Deutschland. Sie ist flächig verteilt und somit riesengross. Mit dem Navi ist es heute ja leicht das Zentrum zu finden - allerdings sind die zahlreichen Baustellen hinderlich für grosse Fahrzeuge. Eigentlich ist ja das Befahren von München nur mit Umwelt-Vignette erlaubt und es sind tatsächlich nur wenige Fahrzeuge unterwegs

Wir haben dann problemlos in der Nähe des Stachus parkieren können - was sonst im Stadtzentrum mit einem 10-Meter-Bus nicht einfach ist. Ich wollte - da wir ja in Deutschland sind - brav ein Park-Ticket kaufen. Geht hier nicht. Ein Automat funktionierte nicht, da er alle Münzen durchfallen liess und der andere war schlicht vermurkst.

Die Innenstadt, eine Mischung zwischen Rabbat und NYC.

Als wir dann über den berühmten Stachus zu Bahnhof marschierten war ich schon überrascht! Die Münchener Innenstadt erinnert mehr an Istanbul als an Deutschland! Nebst ein paar einzelnen Läden wie H&M bestehen die Erdgeschosse aus Casinos, heruntergekommenen Kneipen, kleinen Ramschläden und Dönerbuden. Gefühlter Ausländeranteil 90% - es sind fast nur Männer, vor allem junge Herumhänger und jeder hat eine Zigarette im Mund!

Es ist 11Uhr und auf den Tischen türmen sich schon die leeren Bierflaschen - von wegen Muslime saufen nicht! Im 'Sportcafé Schiller' scheint der Boden neu gebohnert und wir treten ein. Es ist wie verhext: Ein fette Afrikanerin bemüht sich dann zu unserem Tisch und hört sich ohne Begrüssung meine Bestellung an. Einer hockt am Spielautomaten, sonst ist leer. Wir nehmen einen Schluck, zahlen und gehen. Was für eine Stimmung!

Wir geben nicht auf und versuchen trotzdem in der Innenstadt noch ein nettes Plätzchen für einen kleinen Lunch zu finden. Im nahen Business-Quartier gibt ja den Kustermann, aber auch hier sitzen die Menschen mit der Kippe im Mund an den schicken Tischen unter Sonnenschirmen in der Pause.

In  den Parkings im englischen Garten zum Beispiel sind alle Wohnmobile verboten! Das haben wir - ausser im Zentrum von Paris - noch nie gesehen. Haben die Obrigkeiten etwa schon ihre einschlägigen, bitteren
Erfahrungen mit Zigeunern gemacht, oder was? Auf jeden Fall wurde nichts mit dem Picknick im Park und wir machten uns aus dem Staub. München muss nicht sein!



Tag 24, Montag: UNESCO-Städtchen Regensburg.
                          30.07.12

Manchmal denke ich, dass ein Prädikat 'UNESCO-geschützt' wie hier für die Altstadt von Regensburg schon etwas inflationär ângewandt wird. Bern zum Beispiel ist ja mit der gleichen Auszeichnung bedacht worden. Irgendwo müssen mit solchen Verwaltungsakten sicher ganze Heerscharen von Beamten beschäftigt werden.

Regensburg mindestens ist wirklich eine Visite wert. Ich werde jetzt bestimmt nicht noch mein privates Rating für besuchenswerte Orte anfertigen - aber Regensburg ist ein Abstecher wert. Der Name kommt vom Flüsschen 'Regen', aber zweigeteilt wird die Stadt durch die Donau!

Der Katholizismus ist hier sehr präsent.

Der Dom von Regensburg ist gigantisch, wirklich sehenswert und in perfektem Zustand. Obwohl in einem Seitenschiff gerade eine kleine Andacht abgehalten wird, ist das ganze Gebäude zugänglich. Kürzlich wurde eine Art kleine Krypta entdeckt, welche man besichtigen kann.

Das Restaurant Bischofshof hat im Freien einen Restaurationsbetrieb eingerichtet, mit sehr angenehmer Bedienung, wie man es in Bayern erwartet. Ansonsten sind zahlreiche Cafés und Bars in der grossen Fussgängerzone verteilt und Boutiquen und Läden aller Art sind auch grosszügig vorhanden. Wer noch shoppen mag.

Die eigentliche Sommersaison soll hier ja erst nächste Woche beginnen. Hoffen wir das Beste für die Geschäftsinhaber, denn heute ist nicht viel los. Morgen gehts weiter nach München.

Wir sind dem ursprünglichen Marschplan jetzt sogar zwei Tage voraus. Die Tour in Norwegen ist kürzer ausgefallen als ursprünglich geplant. Wir haben aber bestimmt nichts verpasst. Mit den Fähranschlüssen haben wir jedesmal richtig Schwein gehabt. Der Trip ist bis anhin ohne jeden Misston verlaufen und nun nähern wir uns ja Gefilden, welche normalerweise in einer Tagestour erreicht werden können. Ein Ausfall der Mechanik oder ein anderer schwerer Schaden wären nicht mehr dramatisch. Darauf verzichten kann ich aber gerne.



Tag 23, Sonntag: City-Walk in Prag, es ist kühl geworden.              29.07.12

Eigentlich habe ich mit Bier nicht sehr viel  am berühmten Hut. Besonders wenn es um Kilos und Bauchumfang geht, ist der Gestensaft ja total in Verruf. Trotzdem, ein Budweiser in Prag muss sein! Es schmeckt wirklich ausgezeichnet.

Heute ist Wind und wechselhaftes Wetter angesagt. Gestern war es so heiss, dass wir auch im Stand am Picknickplatz am Flussufer während Stunden Motor und Klimaanlage in Betrieb liessen. Umweltsünde? Scheiss drauf!

Wir haben etwa 1500 Liter Diesel verbrannt, etwa soviel wie für einen Transatlantikflug. Was solls?

Hier in Prag scheint ein Run ausgebrochen!

Im Gegensatz zu anderen Städten scheint in Prag der Tourismus nicht eingebrochen zu sein. Interessant ist die Mischung der Gäste: Nebst den omnipräsenten Deutschen und Japanern/Chinesen sind überraschend viele Franzosen vor Ort. Wie bitte? Ja, Franzosen sind übrigens auch die einzigen Nicht-Deutschen, welche wir je in Schweden und Norwegen angetroffen haben!

Vielleicht hat sich bei de Galliern die rationale Ueberzeugung, dass nun fürs Reisen sowas wie 'Mathäus am letzten' angebrochen ist, endlich durchgesetzt. Ich mag es jedem gönnen...



Tag 22, Samstag: Prag - die leuchtende Stadt!
                                   28.07.12

Für die Hauptstadt der Republik Tschechien haben wir zwei Tage vorgesehen, denn ich kenne die Stadt seit vielen Jahren und ich weiss, was sie bietet - nämlich alles. Die Tschechen sind auch nicht zu faul um ein paar Brocken Englisch zu lernen und so kann man ganz normal funktionieren. Die Jüngeren sind sogar auf einem erstaunlichen Niveau! So macht es auch Spass auszugehen oder zu shoppen.
 
Apropos Shopping: Mit den Megamärkten wie 'Globus' verfügt das Land vermutlich über das Einkaufszentrum mit der grössten Auswahl Europas. So was von Auswahl kennt man weder in den USA noch in Deutschland oder Frankreich.

Vor allem gibt es Goodies, wie wunderschöne Champagner-Gläser, Marke 'Bohemia' aus einheimischer Produktion und auch bei uns  'verbotene' Gadgets wie alle möglichen LED-Ersatzleuchten für Autos, welche zwar eine unglaubliche Leuchtkraft haben, aber eben im europäischen, überreglementierten Verkehr nicht zugelassen sind - I love them anyway.

Die Stadt Prag ist endlos und hat alles!

Schon wenn man sich Prag nähert, bleibt nicht unverborgen, dass sich die Tschechen im internationalen Wettbewerb sehr gut behaupten. Unzählige Neubauten sind verstreut im Grünen oder in neuen Siedlungen am Entstehen. Auch die Disziplin der Menschen hier im Umgang untereinander und in Sachen Ordnungsliebe ist recht gut. Die Tschechen sind die besseren Ossis!

Aus der einst schmuddeligen Reputation der Innenstadt von Prag ist ein vielfältiges Touristen-Mekka geworden. Es sind nun internationale Gäste hier - Reisende, welche ihrem Trip nach Paris, London oder Rom noch Prag nachschieben. Trotzdem, für einen Samstag Abend ist es eher ruhig heute. Gewitter nahen - es könnte bedrohlich werden.


 

Tag 21, Freitag: Polen - Augen zu und durch!                               27.07.12

Man denkt, wenn es nicht besonders läuft, es wird schon besser werden. Nach dem ärmlichen Frankfurt an der Oder erhofften wir uns ein paar Impulse bei der Einfahrt in Polen. Auf der Brücke - die Oder ist ja Grenzfluss - liegt mal schon ein Besoffener auf dem Gehsteig. Strange! Die überall gegenwärtigen Wechselstuben bieten auch Alkohol und Zigaretten. Alles ist schmuddelig, den Menschen - so der erste Eindruck - uninteressiert und etwas feindselig.

Könnte ja später besser werden, oder? Wir steuern auf die Stadt Zielowa Gera zu. Zwei Dinge fehlen der Bevölkerung hier offensichtlich: Geld und ein noch so geringes Interesse ihr Haus oder die Umgebung ein bisschen hübsch zu gestalten!

Irre Amokfahrer - wie in Argentinien...

Ueberall in Europa, sogar in Süditalien, gibt es unterdessen so eine Art minimaler Verkehrs-Disziplin - aufgrund von höherer Bussen und auch Führerscheinentzügen. Dass man im einem Land wie Polen nicht einfach wie die alleinernährenden Mütter von Zürich mit ihren Kinderwagen über den Fussgängerstreifen latschen kann, weiss oder fühlt dann schnell jeder. Was man dann aber ständig auf der Strasse sieht, Ueberholen an unübersichtlichen Stellen, über doppelte Sicherheitslinien, über Ausfahrten und sogar  Verkehrsinseln ist schon eindrücklich!

Nein, für Touristen gibt es nichts zu sehen, die Strassen sind schrecklich und kein Mensch spricht was anderes als polnisch oder russisch. Eines jedoch ist auffällig: Weder Afrikaner noch Kopftuchfrauen sind zu erblicken. Kein Wunder, wo es nichts zu holen gibt - ich habe gesagt zu holen...

37 Grad, im Schatten natürlich!

Ausserhalb des klimatisierten Busses ist es kaum auszuhalten, denn die Temperaturen wollen durch die Decke gehen. So genehmigen wir uns etwas Gutes im schönsten, neu erstellten Restaurant in Zielowa Gera und beschliessen, dem Land schon heute den Rücken zu kehren.

Mit den letzten gewechselten Zlotys kaufe ich noch neue Champagner-Gläser - die letzten sind bei einem schrecklichen Bahnübgang in die Brüche gegangen. Die Idee ist nun, gegen Süden in die Berge - grob mal Richtung Prag -  zu fahren, dort wird es bestimmt kühler sein. Wir wissen ja, adiabatische Abkühlung und Bergwind!

Richtung Lieberec gehts massiv in die Höhe und wir finden einen Superabstellplatz in einer Lichtung mit halbhohen Birken. Das Vogelgezwitscher ist schön, die verdammten Bremsen stechen jedoch trotz der chemischen Abschreckung in Form eines 'Riech-oder-Stinkarmbandes' seelenruhig weiter.

Der hässliche, kleine Blech-Grill wird nochmal in Betrieb genommen und ich versöhne mich nun mit ihm. Er funktioniert wie auf Druckknopf-Betätigung mit nur einem Zündwürfel und das Fleisch wird nicht verkohlt, auch wenn man sich einmal was anderem zuwendet.  Das beste ist, dass die Glut gleich im Kessel mit ein paar Tropfen Wasser gelöscht werden kann. Den Wald hier in Brand zu setzen, wird wahrscheinlich heute noch mit Arbeitslager bestraft...


 

Tag 20, Donnerstag: Berlin in seiner neuen Pracht!                     26.07.12

Die Ueberraschung ist gross. Seit ich vor vier Jahren das letzte Mal ausgiebig hier war, fällt eines auf: So sauber war die Stadt noch nie!

Wir karren alle 'Checkpoints' ab und stellen den Hannibal beim Alexanderplatz ab. Ich löse sogar ein Ticket! Im Ernst, man frägt sich wo all die Autos sind, welche normalerweise ein grosse Stadt bis auf den letzten Parkplatz belegen.

Deutsche haben begriffen, dass ein Stadtauto nun einen Sattel und zwei Pedale hat - alles fährt Rad. Hat es mit dem Urlaub zu tun? Dem widerspricht aber, dass die Strassen voll von Menschen sind. Nein, man kann beobachten, dass Automobile wirklich langsam aber sicher aus den Stadten verschwinden.

Kreuzberg, Neukölln - was war da mit Klein-Istambul?!

Also wer in den 'schlechten Quartieren' in Berlin Verhältnisse wie in Brüssel oder Paris erwartet, ist erst mal sehr erstaunt. Die Läden sind gepflegt und die Strassen recht sauber. Natürlich muss man den Exoten ihre artgerechte Umgebung zugestehen - aber hier sind sie doch sehr integriert, um das Unwort zu verwenden.

Dass an allen Ecken ein aufgemotzter Türken-Hobel von Mercedes oder Porsche die Strasse verziert, ist obligatorisch. Cliché bestätigt!

Die Hitze war das einzig Bedrückende an Berlin. Berlin ist zurück, Berlin lebt, Berlin hat Herz!

Frankfurt an der Oder - wo die Förderbeiträge nie ankamen.

Es gibt kaum eine so armselige Stadt in Deutschland wie Frankfurt an der Oder - direkt an der polnischen Grenze. Ich hatte davon gehört, aber ich wollte es selber auch sehen, wenn unser Weg nach Polen schon daran vorbeiführte.

Schon bei der Abfahrt von der Autobahn erschrickt man doch schon mal ob den alten Plattenbausiedlungen, welche man einfach abreissen sollte - insbesondere, weil sie ja eh zur Hälfte leer stehen.

Dass hier etwas nicht stimmen kann, sieht man auf der Karte des 'Akropolis', dem schicken Griechen mitten im Zentrum: Ein Essen für 5.50 Euros, ein Bier 2.10 und der Radler für 1.80. Wie soll man davon noch ein Geschäft am Leben erhalten?! Immerhin habe die das Ufer am Fluss neu gestaltet und mit dem 'Kartoffelhaus' existiert ein wirklich nett gemachtes Lokal mit Terrasse direkt an der Oder. Hier essen wir mal heute Abend. Es soll Full-Haus werden - ich habe mal reserviert. Vielleicht wird alles gut...

Für Kulturinteressierte: Es gibt auch noch das Kleist-Museum - der ist von hier und hat sich umgebracht.
 



 
Tag 19, Mittwoch: Endlich in Berlin, aber noch nicht ganz!              25.07.12

Ja, als Flugbegeisterter lasse ich mir natürlich kaum ein unbekanntes Flugfeld entgehen, auch wenn ich mit dem Auto unterwegs bin. Als wir am Vorabend auf der Seeterrasse sassen fiel mir auf, dass oft Flugzeuge in der Nähe starteten. Also auf dem Garmin gecheckt und hingefahren!

Der Flugplatz heisst Kyritz - ein Kaff im brandenburgischen Niemandsland eben. Da stehen zwei Cessnas, eine Diamond und eine Piper rum. Aber auch Agrarflugzeuge und dazu eröffnen die Ehemaligen gerade ein Museum. Die haben sich ein Beschäftigungsprogramm bewilligen lassen und treten alle im Blaumann jeden Morgen an. Ja, der Arbeiterstaat lebt noch auf seine ursprüngliche, fast schon puristissche Art.

Immer präsent: Das Gespenst der Republikflucht.

Aber damals war das so: Die Wälder mussten gekalkt und die Felder mit Herbiziden behandelt werden und das ging nur aus der Luft. Eingesetzt wurden einmotorige Kolbenmaschinen von der einsitzigen Dromedar (für Fachleute in Polen gebaute Lizenzausgabe der kanadischen Original-Maschine) bis zum riesigen Doppeldecker Antonow 2.

Die Republikflucht, also das Abhauen in den Westen, war natürlich vor allem unter Piloten ein Thema. Daher wurden flächig über die ganze Republik  Flugfelder eingerichtet, so im Umkreis von 20 Kilometern untereinander. Die Piloten machten bis zu 50 Einsätze pro Tag, weil sie nur sehr wenig Sprit erhielten - gerade soviel, dass ein Flug nach 'drüben' mit Sicherheit ausgeschlossen war.

Unser Museumsleiter war damals dabei und ich bereue fast ein bisschen, dass ich ihm nicht länger zugehört habe. Ganz offensichtlich sehnen viele Menschen hier die überblickbaren Umstände der DDR zurück! Ich habe über die Jahre im meinen Gesprächen fast immer diesen Eindruck erhalten. Die Umfragen zeigen ja ähnliches, mehr als die Hälfte der 'Ossis' möchten die DDR zurückhaben.

Viele sagen es ganz direkt: Als es noch 'Drüben' gab, war das Leben schöner - wenn nur die Sehnsucht nicht gewesen wäre. Unterdessen wissen sie, dass sie vor allem Propaganda und falschen Versprechen aufgesessen waren. So ist es uns ergangen, nur haben es noch wenige gemerkt!

Oranienburg und Tegelersee.

Es war heiss heute. So heiss, dass es im klimatisierten Bus am besten auszuhalten ist. So machen wir einen Abstecher nach Oranienburg, fahren aber doch zweimal beim Schloss vorbei und durch die Einkaufsstrassen. Das reicht - rien à voir.

Wir finden dann direkt zum Tegelersee, das ist ein Gewässer nahe beim Flughafen Tegel, welcher ja immer noch in Betrieb sein muss, weil beim Neuen so schlimm gepfuscht wurde. Nun, wir machen einen ausgiebigen Spaziergang kapern die nötige Fläche auf dem öffentlichen Parkplatz (die Restaurants haben nur winzige Abstellflächen) und essen direkt im Lokal am See, das sich Fahrhaus nennt. Scampi am Spiess und ein Schulterfilet, dazu ein schönes Weizenbier - das reicht für heute!
 



Tag 18, Dienstag: Verloren in der Brandenburger Heide.                 24.07.12

Wir haben einen unseligen, kleinen, hässlichen Grill dabei - mal ans Geschenk erhalten. Alice hat dazu einen Riesensack Holzkohlen erstanden - wohl ausreichend für alle Wurststände am Albisguetli!

Wir wollten die Maschine an einem abgelegenen Ort am Wasser zünden um nicht in Gefahr zu laufen, etwa noch einen Buschbrand zu entfachen. Soweit sogut - wie verlliessen also Autobahn und Trampelpfad und ich suchte auf dem GPS einen kleinen See. Die Anfahrt dahin war dann allerdings gesperrt - die Strasse wurde neu gebaut. Also Umleitung in Nomansland der geheimen, ehemaligen Russischen Armeebasen.

Das wurde dann richtig interessant, denn die ehemaligen Betonstrassen und - Pisten und sogar Bunker sind einfach mit Erdhaufen durch Bulldozer zugeschüttet und zerstört worden. Die unvorstellbar grossen Flächen Wald und Heide liegen halt einfach brach. Verbrannte Erde.  Es existieren 'Forstwege', aber das ganze ist als 'Wasserschutzgebiet' gekennzeichnet und abgesperrt. War mühsam, da wieder herauszufinden

Moderne Mannschaftsunterkünfte (mit Zentralheizung und Fliesenböden) wurden der Fenster und Türen entledigt und sind heute offiziell dem 'Schutz der Fledermäuse' - steht so da! - zugeordnet. Die verlassenen Festungen haben etwas gespenstisches und unwirkliches. Na ja, besser als mit wahnsinnigen Militärs bevölkert...

Ein Kleinod am Klempowsee.

Also der See musste doch noch sein und sogar ein Boot sollte noch ins Spiel kommen. In der allertiefsten Ex-DRR, im Idyll des ehemaligen kleinen Glücks der Arbeiterklasse. Ein prachtvoller See mit kleinen Wochenendhäuschen, vielen Ruderbooten und, bwohl er 11km lang ist herrscht totales Motorbootverbot! Kein Wasserskifahren, keine 'anständige' Seegelyacht. Prestigeboote und die damit verbundene Angeberei sind hier Fehlanzeige. Aber leider ist der Tourismus auf diese Weise nicht in Schwung zu bringen. Ein paar alternative Radfahrerfamilien bingen kein Geld. Es ist einfach eine vergangene Welt, vorbei

Es gibt auch ein liebevolles Restaurant mit grosser Terrasse. Einige Freunde des Hauses fischen, andere mieten ein Pedalo und wir erhalten ein Ruderboot geliehen. Ist natürlich Jahre her, seit ich das letzte Mal ruderte. Ich denke, es war am Bielersee. Für was habe ich denn all die Scheine gemacht! Nun, gelernt ist gelernt und im Nu sind wir mitten im See. Es ist ein Riesenspass. Wir kehren gesund und trocken zurück, essen wie die Fürsten und lassen uns verwöhnen. Da auch och einige Gläser lieblicher Wein ist Spiel kommen, übernachten wir gleich auf dem Parkplatz des Hotels. Ein ruhige Nacht - kaum Vogelgezwitscher, einfach nur Ruhe.
 



Tag 17, Montag: Schwerin, die Ossi-Hochburg.                                 23.07.12

In Hamburg - da habe ich anlässlich der Fahrt nordwärts nach Malmö vor zwei Wochen eine wunderschöne, hauchdünne Karaffe erstanden - ein Andenken mehr. Man findet ja immer noch was, das Freude macht auch wenn man vermeintlich schon fast alles doppelt besitzt!

Daher lassen wir die Hansestadt aussen vor (wir waren wir ja vor kurzem bereits dort) und  beschliessen, den nächsten Halt in Schwerin zu machen. Schwerin - dieser einst zu DDR-Zeiten sehr bedeutenden Stadt wollte ich schon lange mal die Aufwartung machen. Das Schloss, das heute das Landestag von Meck-Pomm beherbergt, ist ja in den letzen Jahren fantastisch renoviert worden. Besonders die Gartenanlage hat es uns angetan, denn die ist perfekt und fast poetisch angelegt. Leider war der Bootvermieter nicht auffindbar.

Besuch im 'volkseigenen Sportverein'.

Ich war ja vor dreissig Jahren etliche Male in der DDR und den anderen Oststaaten, als diese Menschen noch vom Leben 'drüben' träumten.

Als die Mauer fiel, bin ich sofort hingefahren und habe noch die Russen angetroffen, wie diese sich zum Abzug gesammelt haben. Das auferlegte strenge Kontaktverbot, welche die russischen Soldaten nach der Wende per sofort einzuhalten hatten und die daraus entstehende besondere Spannung beeindruckte mich damals für immer.

Die Häuser hier stammen fast alle aus der Zeit vor oder nach dem Krieg, aber vor dem Mauerfall. Die alten Holzfenster sind durch PVC-Isolierglas ersetzt worden. In Verbindung mit den meistens unverändert in Grau gehaltenen Fassaden ist das blendende Plastic-Weiss äusserst auffällig, fast ein Stilbruch. Aber die Vorschriften für Wärmedämmung gelten halt auch in den neuen Bundesländern!


Die Deutsche Demokratische Republik im Kopf - für immer...


Noch existieren einige alte Boots- und Wochenendhäuser der ehemaligen 'Sportvereine' und sogar die gleichen Menschen sind noch da. Mit einem, er wird Bürgermeister genannt, habe ich mich unterhalten. Der Mann ist gebildet und wie die meisten hier sehr DDR-nostalgisch.

Er hat uns mit Stolz seinen Garten und die Topinambur-Beete gezeigt. Das kartoffelähnliche Gemüse war damals Mode im deutschen Osten. Der ehemalige Funktionär redet und rechnet noch immer in 'Mark' und von 'drüben'. Die Parzellen werden nun gegen eine miserable Entschädigung enteignet und mit Tricks wie Stromabschalten werden die Widerspenstigen gefügig gemacht. Die Baugesellschaft nennt er bitter nur die  'Klaugesellschaft'.

So wird den alten Menschen hier nun ihr kleines Glück genommen - nach allem was sie bereits durchgemacht haben. Traurig!



Tag 16, Sonntag: Auf dem Weg nach Berlin.                                          22.07.12

Als erste Etappe war Flensburg vorgesehen, die Stadt der Punktesammler im Deutschen Strassenverkehr. Dass diese Stadt auch äusserst attraktiv ist (sie liegt genau auf der anderen Seite der Halbinsel wie das berühmte Sylt) weiss ich von vielen Empfehlungen, aber ich war noch nie da. Der Sinn der Reise ist ja auch, mal eine Stadt zu besuchen, welche man sonst immer nur vom Vorbeifahren auf der Autobahn wahrnimmt - wenn überhaupt.

Der erste Stau der Reise allerdings nötigt uns dazu, nach Kolding auszuweichen. Ich fahre an den Hafen und gucke den GP von Hockenheim! Alonso fährt wieder mal wie ein Gott und gewinnt. Gut so. Was hat der Mann für Hungerjahre bei Ferrari hinter sich! Wer möchte diesem Kämpfer den erneuten Erfolg nicht gönnen!

Zurück in Deutschland: Schleswig und Currywurst.

Um Kiel und Flensburg machen wir dann doch einen Bogen und landen in der Kleinstadt Schleswig. Das Wetter zeigt sich von der guten Seite und wir machen einen Walk um den ganzen Hafen. Der Yachtclub hat ein Restaurant und Alice bestellt die erste Currywurst ihres Lebens - mit Fritten! Ich bleibe hart, genemige mir ein Glas lieblichen deutschen Rotwein und schaue amüsiert - und etwas entsetzt - zu, wie die zierliche Frau die Riesenportion von einem Apfelschorle begleitet einfach verfuttert...

Die Wetterwechsel, die schlechten Strassen in Norwegen und vor allem die Ueberfahrt mit der Fähre haben uns schon etwas groggy gemacht und wir sind dann mal schnell im Land der Träume.

 



Tag 15, Samstag: Dänemark Nord auskosten!                                       21.07.12

Gestern haben wir noch in letzter Minute einen Platz auf der brandneuen Fähre nach Dänemark ergattert und nach einer doch etwas heftigen Fahrt am Abend die Nordspitze des europäischen Festlandes erreicht. Die Fahrt dauert knapp vier Stunden und kostet einen knappen Tausender für ein anständiges Wohnmobil - aber es lohnt sich.

Wir fahren zur ersten grösseren Stadt, denn auf Rastplätzen übernachte ich eigentlich gar nie. Wieder haben wir Glück und finden einen ruhigen Platz direkt am Kai der Marina von Aalborg. Hier wurde offenslichtlich für die Liebhaber von Booten - und deren gibt es viele in Dänemark - gabaut. Der Bootshafen ist schlicht gewaltig und perfekt mit Klubhaus, Unterhaltsbetrieb und sogar vielen privaten Hangaren. Eine topmoderene Siedlung mit hundert Einheiten ist direkt ans Meer gebaut worden. Respekt!

Aalborg, Städtchen mit Jö-Effekt.

Sicher ist Aalborg in Kaff im Vergleich mit Kopenhagen, Odense und anderen Städten, welche dieses Prädikat in Dänemark verdienen - aber das Städtchen ist sehr sauber, lebendig und offenbar wohlhabend. Wir machen eine grosse Entdeckungstour zu Fuss, denn auch die Temparaturen und vor allem das Wetter sind viel angenehmer als in Norwegen.

Ich erwäge noch, auf die kleine Insel Egholm zu wechseln, aber ersten hat das berühmte Restaurant gerade Ferien und Alice hat endgültig genug von Fähren, denn die letzte Ueberfahrt hat ihr dann schon ordenlich zugesetzt - seekrank!

Aarhus - schon fast Cannes...

Richtig glücklich mit Dänemark lassen wir auch Arhus nicht aus. Wesentlich grösser als Alborg hat die Stadt schon eine richtige 'Sehmeile' und die nötige Anzahl Luxusbeizen und -Geschäfte, dass auch Alice in Begeisterung versetzt wird. Gut, die Schuhe passen nicht - aber für mich kaufen wir einen ganz exklusiven, nordischen Pullover. Einen habe ich übrigens schon auf der äusserst gut sortierten und noblen Schiffsboutique zum bevorstehenden Geburtstag erhalten. Der Winter kann kommen.

Auch hier erkunden wir noch die Stadt und fahren dann doch weiter - bis zur Kleinstadt Vijle. Dort finden wir einen Platz am Waldrand innerhalb es Tennisclubs. Heute gibt es die erste Flasche Champagner, denn die Hälfte der Reise ist ja nun vorbei. Es stehen aber noch einige Länder und Städte bevor, wie Berlin, Prag und so fort...
 



Tag 14, Freitag: 'Akkerhaugen Beach'.                                                  20.07.12

Gut, ein bisschchen frisch ist es schon mit 11 Grad und die ganze Nacht hat es geregnet. Dafür herrschte absolute Ruhe, von den Vögeln abgesehen, welche so ab 4 Uhr in der Früh offenbar ihre helle Aufregung hatten. Heja!

Postkartenidylle. Die Enten drehen ihre Runden, nur Fische sieht man nie. Ob wohl die Papierfabriken dem letzten Barsch den Garaus gemacht haben?

Man fragt sich, was die Menschen hier auf dem Land machen. Wenige Felder sind bestellt, manchmal kommt einer mit seinem Auto, lümmelt durch den Hafen und geht wieder. Irgendwie gespenstisch - aber mindestens ruhig, wenn man es so haben will...

Durch die Fjorde fahren ist eher anstrengend.

Hergekommen sind wir über die E18, eine mindestens anständige Strasse. Wir wollen aber Oslo meiden und von der Küste aus direkt mit einer Fähre nach Göteburg, Schweden, zurück.

Norwegen kann schöne Bilder bieten, aber nach ein paar Tagen hat man diese intus - denn eigentlich sind sie immer ähnlich.

Im Umkreis von über 100 (der Nähe zu Oslo) gibt es keinen McDonald, dies zeigt, wie schnell man hier abgeschnitten ist. Mit den Radioprogrammen verhält es sich ähnlich. So hören wir halt Texte, welche wir nicht verstehen und klassischen Jazz.

Ein Essen in einem schönen Restaurant muss noch sein.

Brevik heisst ein ehemaliges Fischerdorf, das wirklich malerisch im südländischen Stil in einer kleinen Bucht am Meer liegt. Irgendwie schaffen wir es durch die Gassen an den Hafen, obwohl die Durchfahrt eigentlich für Personenwagen limitiert ist. Zum Laufen wäre es für Alice eh zu weit und ausserdem zieht ein kalter Wind von den Bergen her. Das einzige Restaurant ist nett.

Draussen sitzen ist nicht, aber wir erhalten einen schönen Tisch in der Veranda. Das Essen (Fischsalat und eine Art Fisch-Tortilla mit Kartoffeln sind essbar, aber mindestens sehr teurer. Ein Glas Wein kostet locker 15 Franken - Norwegen halt. Aber wer es billig haben will, darf dort eh im Leben nicht hinfahren...

 



Tag 13, Donnerstag: Oslo, the nordic Hell.                                         19.07.12

Jetzt verstehe ich, warum keiner nach Oslo ziehen will. Geld wäre ja genug da und ausser der Schweiz leistet sich Norwegen als einziges europäisches Land komplette Unabhängigkeit von der EU - natürlich soweit das noch möglich ist.

Nach eingehenden Visiten von Brüssel, Amsterdam, Kopenhagen und Stockholm ist festzustellen:
Oslo ist die wohl verkommenste Grossstadt. Alte, verrostete Trams,die Strassen im rumänischen Zustand und eine Fauna, welche nur zum Davonrennen einlädt. Drogensüchtige, Penner und alle 60 Meter eine bettelnde Rumänin - so etwas haben wir bisher nirgends gesehen...

Bezeichnend ist das Verhalten der Bürger in Oslo gegenüber den bettelnden Rumänen:
Sie laufen stoisch an ihnen vorbei, wie man hier im Video eindrücklich konstatieren kann. Diese demonstrative Atttitude spricht ja für sich - die Menschen haben einfach genug vom streunenden Pack!

... und plötzlich bekommt die Breivik-Story ein anderes Gesicht.

Ich will natürlich das Geschehene nicht etwa gutheissen - ausserdem ist die Geschichte sicher anders gelaufen, als uns weisgemacht wird. Ich habe bisher nur nicht verstehen können wie ein Mensch - irre oder nicht - glaubt, auf diese Weise sein Land verteidigen zu müssen. Nun habe ich mindestens eine Ahnung...

Oslo versucht ganz wie die anderen bekannten Oelgewinnlerstaaten seine banale Innenstadt aufzupeppen. Neue Allerweltsgebäude können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Probleme in der Bevölkerung enorm schmoren.

Es sind auch auffallend viele Penner unterwegs. Sobald das soziale Netz zu eng ist, vergammeln die Einheimischen und die Parasiten aus dem Süden kommen in Massen an den reichen Futtertopf. Oslo ist ein frappantes Beispiel mehr.

Nein,
Norwegen ist keine Reise wert, auch wenn einzelne Sehenswürdigkeiten einen Besuch lohnen - aber nur, wenn man schon mal da ist. Man kann als Tourist kein noch so bescheidenes Interesse erwarten,  obwohl die Stadtmenschen generell gut englisch sprechen. Die Menschen sind offensichtlich nur noch daran interessiert, nach der Arbeit schnell nach Hause zu kommen ohne belästigt oder bestohlen zu werden. Die Restaurants sind jedenfalls auch miserabel besetzt - ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Menschen hier auf soziale Kontakte am liebsten verzichten!

Heddal die grösste Stabskirche ist beachtlich.

Es gibt Dinge, die muss man sehen um die Wirkung auf sich entfalten zu lassen. Gut, eine siebenhundert Jahre alte Holzkirche ist nicht der Grand Canyon - aber diese hier ist etwas besonderes, schon alleine wegen der Formgebung. Irgendwie erinnert sie an buddhistische Tempel, obwohl die Erbauer sowas nie hatten sehen können. Egal, kurz nach dem Bau, so um das Jahr 1360 brach die Pest auch in Norwegen aus und weit über die Hälfte der Bevölkerung verstarb. Die Bauerhöfe verwaisten und das Land brauchte zwei Jahrhunderte, sich wieder zu erholen. Ob die Pest oder Cholera wohl bald als Segen für das Land zurückkomme wird?
 



Tag 12, Mittwoch: Ein richtiger Ferientag.                                           18.07.12

Schweden ist so etwas von durchgängig sauber und hübsch drappiert, dass es einem trotz der Gleichförmigkeit der Landschaft schwer fällt, sich von diesem perfekten Standard zu verabschieden.

Meistens ziehen wir es vor, an einer Marina festzumachen. Es ist immer schön, den Booten entlang zu flanieren und sich irgendwo einen Kaffee oder ein Eis zu gönnen. Heute halten wir noch nochmals kurz vor der Ausreise nach Norwegen und machen uns einen schönen Nachmittag und Abend, bei einem Glas Wein, einem Einkaufsbummel und Ferienstimmung.

Die schwedischen Megatrucks sind hier Routine.

Im Norden der USA verkehren Lastenzüge mit bis zu drei Anhängern und einem Gewicht von über hundert Tonnen, jedoch nur mit walzenähnlichen Blechrollen vor allem für die Autoindustrie. Uebertroffen wird dies nurvon den australischen Roadtrains und die sind auch mal 80 Meter lang.

In Deutschland werden nun auf Versuchsstrecken sogenannte Mega-Trucks eingesetzt und dies ist in Schweden schon kalter Kaffee. Die Dinger sind bis 26 Meter lang (in der Schweiz max 18 m) und die Fahrer scheuen sich nicht, ohne Hilfspersonen in jede mögliche Gasse zu manovrieren. Dafür sind erstaunlich wenige Lastwagen unterwegs. Vielleicht doch eine Vision für die Zukunft auch bei uns...
 



Tag 11, Dienstag: Richtung Norwegen.                                         17.07.12

Also gleich mal vorab: Weit sind wir nicht gekommen! Der Zeitplan lässt uns erkennen, dass wir locker einen Zwischentag einsetzen können und immer noch 'fully in scedule' sind.

Die Marina von Västeras, einer Kleinstadt mit Hafen und Papierindustrie, hat es uns angetan. Dabei ist schon viel Erinnerung an Kanada und den Norden der USA. Irgendwie uns hat das Déja-Vu-Feeling dazu gebracht, hier die Zelte aufzuschlagen. Dies ist natürlich einfach: Wir suchen den besten Platz und machen uns breit!

Unser Carthago 'M-Liner' hat gegenüber den kleinen 3,5t-Campern auch den ganz vitalen Vorteil, richtig Wasserreserven mitschleppen zu können.

Tägliche Dusche, Abwaschen und die Wasserspülung des WC sind nur mit einigen hundert Litern Wasser an Bord denkbar. Ich habe mich immer gewundert, warum die Camper viefach stinken und neben ihren Wagen pissen - jetzt weiss ich es: Wassermangel und die Scheiss-Kassette am überlaufen. Die Tankstellen verfpgen selten über einen Aussen-Wasseranschluss und so sind Bootssteege nützlich. Eine gute Wochen halten die Vorräte und dann ist Nachfüllen angebracht. Ohne Wasser geht gar nichts.

Ganz friedlich hollydaymaking.

Zurück zum Tag: Die Hafenanlage von Väseras ist wirklich aussergewöhnlich und total ausgerüstet, denn vom kleinen Supermarkt bis zum luxeriösen Restaurant direkt am Meer ist alles da. Auch in die Stadt ist es nicht weit. Wir bleiben einfach da und ruhen uns aus.

Morgen steht noch ein relativ langweiliger Teil der Autobahnfahrt auf dem Programm. Ich denke, wir werden bis Oslo durchfahren, das sind knapp 500 Kilometer. Das Abenteuer beginnt dann in Norwegen mit dem Angriff auf die schmalen Bergstrassen auf das Hochplateau und dann auch durch die Fjorde. Ich war schon überall hier - ausser in Norwegen. Dieses Land interessiert mich von den Menschen her. Wir werden sehen...

 



Tag 10, Montag: Stockholm, das Licht Skandinaviens.                      16.07.12

So ermüdend und langweilig eine Fahrt durch Schweden sein kann, Stockholm ist für eine tolle Ueberraschung gut - vor allem wenn wieder einmal die Sonne scheint. Stockholm ist grösste Stadt des Nordens, somit die 'Hauptstadt Skandinaviens' und immer noch am prosperieren.

In der ganzen City stehen viele Kräne herum und es wird eifrig gebaut. Natürlich muss man berücksichtigen, dass während der langen Winterzeit fast alle Baustellen zum erliegen kommen. Entsprechend schleppend funktioniert der Strassenverkehr, vor allem wenn man mit einem Monster in engen Baustellen unterwegs ist

Wiedersehen mit dem Hötorget.

Zuerst möchte ich den Hötorget (wieder)sehen, ein in damals vor fast einem halben Jahrhundert entstandenes, im damalingen Zukunftsglauben wegweisendes neues Stadtzentrum. Man muss wissen, dass Stockholm auf zahlreichen grösseren und kleineren Inseln gebaut ist (nicht etwa wie Manhattan auf einer Peninsula) und darum sind allein die Brücken zahllos.

Das Hötorget-Center wurde damals auf mehreren Etagen gebaut und ich denke es war die erste Untertunnellung von Einkaufzentren, Wohn-  und Geschäftshäusern seiner Zeit. Heute empindet man dies eher hässlich im Stil der Sowjetunion...

Es ist nun fast vierzig Jahre her als ich als ganz junger Globetrotter - auf einem Renault 4 angereist - hier auf dem Hötorget stand und mit den jungen Schwedinnen (mit Erfolg) radebrechte. Da wollte ich zuerst nochmal hin. Ich habe dann auch gleich den Hannibal wie eine Trophäe an die Strasse gestellt und dann haben wir im kalten Morgenwind das Zentrum erkundet.

Den Nachmittag verbrachten wir im Motorhome, am Stadtpark abgestellt und auf diversen Spaziergängen im Wald. Hier muss man das schöne Wetter ausnützen. Am Abend wollen wir versuchen in einem Altstadtrestaurant einen schönen Tisch zu bekommen...

 



Tag 9, Sonntag: Jönköpping, Schweden.     
                                    15.07.12

Wir sind so viel und toll unterwegs - ich finde kaum Zeit, was zu berichten.

Vor vielen Jahren war ich mal hier auf der Rückreise von Uppsala. Die Stadt ist nicht wiederzuerkennen, scheint aber zu prosperieren.

Wir machen einen Ausflug an den Hafen, aber essen mal dort nichts - es geht mir ja darum, von den Kilos zu verlieren und nicht neue anzufuttern. Geht ja, wir amusieren uns und ein Glas Sekt liegt auch immer drin.

Fortsetzung folgt später...

 



Tag 8, Samstag: Weg vom Kontinent.                                                14.07.12

Der Tag beginnt nach dem obligatorischen Glas Tee mit der Ueberfahrt nach Malmö, also dem IKEA-Land Schweden. Ich wähle den Umweg über neue Brücke - nicht weil das billiger ist (EUR 127.00 für einen Weg), sondern weil ich mit dem stürmischen Wetter fürchte, seekrank zu werden. Vor Jahren habe ich mit den Ferries nach Menorca Horrorzustände erleben müssen!

Gregor Fischer ist Aviator und nicht Matrose!

Malmö ist gar nichts, das wusste ich von früher - besonders nachdem in Schweden wegen dem neue Hurenverbot kein Nachtleben im Hafen mehr stattfindet! Ja, die Schweden haben nichts zu lachen: Höchste Steuern, Ueberschwemmung von Muslimen und nicht mal eine Flasche Wein im Laden zu verkaufen.
Kein Wunder, machen alle eine saure Birne!

 




Tag 7, Freitag: Das phantastische Kopenhagen.                                   13.07.12

INa ja, Freitag, der 13. - da sollte man ja eher vorsichtig sein! Nun, erstens bin ich nicht abergläubisch und zweitens mache ich meinen Job immer gleich: So professionell wir möglich.

Das war aber auch nötig, denn wir wollten ja die Wahrzeichen Kopenhagens erleben und zwar den ganzen Tag lang. Das Motorhome auf den dafür vorgesehenen Abstellplätze ausserhalb der Stadt abstellen und dann mit der 'TAXA' ins Zentrum fahren ist vernünftig. Wer aber die nötige Chuspe und die Fahrkünste dazu hat, kommt überall hin. Sogar parkieren geht, denn zum Abschleppen ist der Hannibal zu gross und viel zu schwer...

Die Sonne scheint und die Leute sind fröhlich.

Auf jeden Fall hat alles geklappt und wir haben den Nachmittag in der Innenstadt verbracht. Tausend Boutiquen (so kam es mir etwa vor) und eine ganze Völkerwanderung von gut gelaunten Menschen. Der Stroget, die Fussgängerzone soll die längste von Europa sein. Die Strassencafés an den grossen Plätzen sind berstend voll, aber die Bedienung klappt doch ziemlich gut und freundlich. Auch der zwar sauteure Charodonnay war Klasse. Sicher war das Wetter auch massgebend, denn wie alle Nordeuropäer haben auch die Dänen bis jetzt einen Scheisssommer erleben müssen. Wetter gut - fast alles gut. Uns jedenfalls hat es gefallen.

Kopenhagen? Gerne bald wieder!
 



Tag 6, Donnerstag: Erwachen an der Weser...                                     12.07.12

In Bremen ist entlang der Weser ein Riesenfest im Gange - aber das Wetter wäre noch für einen Herbst miserabel. Wir begnügen uns mit einem Drink im berühmten Rundcafé direkt am Fluss.

Hinter dem Weserstadium auf einer Privatstrasse machen wir Halt und erleben eine sehr ruhige Nacht. Der heftige Regen sorgt jedoch dafür, dass man mal ein Auge öffnet - alles klar, weiterschlafen, bitte!

Am frühen Morgen scheint tatsächlich für eine halbe Stunde die Sonne und ich mache inmitten all der Morgen-Jogger mit ihren Hunden eine kleine Runde entlang der Weser. Es ist frisch wie an einem Novembermorgen...

Grosses Pensum heute!

Hamburg ist ja DIE Stadt der Nordlichter und ich kenne sie gut. Wenn nur das Wetter nicht wäre! Die schlechte Reputation gibt sich die Ehre. Sturm und Regenschauer sind angesagt. Dies kann uns allerdings nicht davon abhalten, einen anständigen City-Walk zu veranstalten.

Der Hanibal wird mitten im der neugestalteten City am Gänsemarkt parkiert (er braucht zwei Plätze) und ich löse brav ein Ticket und besfestige es am Seitenfenster. Die Polizeiwache beim Springerhaus ist ja ganz in der Nähe. In der Tat sind auch die meisten parkierten Autos mit einem teuren Flyer der Polizei ausgestattet...

Wir marschieren quer durch die City, aber ersparen uns St.Pauli und die Reeperbahn. Da waren wir ja auch schon! Dafür kaufe ich in einem Schicki-Micki-Laden eine wunderschöne, papierdünne Dekantierkaraffe. Sie wird sorgfältig eingepackt. Wir lange sie wohl halten wird? Zum Ausprobieren muss sie eh warten, denn Fahren und Alkohol vertragen sich ja schlecht.

Lübeck, die UNESCO-Stadt.

Der Abstecher nach Lübeck darf nicht fehlen. Hier habe ich vor einigen Jahren die Push-Pull von einem einheimischen Industriellen gekauft. Nach einer vorläufigen Instandstellung überflog ich das Ding direkt nach Westfrankreich, irgendwann am späten Abend kamen wir an. Schöne Erinnerung.

Die Stadt selbst ist fast kitschig schön, so in der Art von Freiburg im Breisgau - nur die Bächle fehlen! Wir trinken ein schönes Glas Wein und marschieren trotz Sturm durch die Gassen. Können wir noch auf schönes Wetter hoffen? Die Wettervorhersage allerdings ist miserabel und sogar am Radio werden Witze gemacht wie: Für Ende November können wir ja zufrieden sein...

Mit der Fähre nach Dänemark.

Als ich vor Jahren zum erstem Mal nach Schweden gereist bin (damals mit meinem Freund Arnaud Poget aus Biel - was ist wohl aus ihm geworden?!) habe wir die Fähre von Helsingborg genommen. Dies ist zwar ein Umweg, aber billiger. Ja, es gab Zeiten, die geboten aufs Geld zu schauen. Die Ueberfahrt von Fehmarn nach Dänemark wird von modernsten Roll-on-roll-off-Schiffen erledigt, das Nonplusultra moderner Fährentechnologie. Man fährt rein - verzurren war mal - und nach einer guten halben Stunde wieder raus. Kein Warten, kein Absatz, keine Rampe und jedes Niveau hat seinen Terminal. Kosten: 127 Euros für eine Fahrt. Essen an Bord ist in zwei Restaurants möglich (wir wählen Shrimps auf einem Tomatenbett) - aber Vorsicht: Kein Schampus dazu, denn die nordischen Länder kennen die 0%-Grenze für Autofahrer, das heisst schlicht generelles Alkoholverbot.

Uebernachtet wird auf einem grossen Rastplatz von Kopenhagen mit Restaurant. Brauchen wir zwar nicht, wir sind voll autonom und die Vorräte quellen über. Es ist ein Nest von Campingcars hier, mindestens 60 Stück stehen auf den grosszügigen und sauberen Abstellplätzen. Nordische Disziplin - nix da mit Afrika!

Aus dem Sonnenuntergang am Meer wird nichts - Wolken verhängen den ganzen Himmel und der Wind weht mit 40 Knoten! Ich stelle den Bus genau in den Wind, sonst würde man ja wohl seekrank werden! Aber es macht Spass, wieder weit weg von zuhause unterwegs zu sein.

Morgen ist Freitag der 13. - mal sehen was der bringt. Noch sind viele tausend Kilometer von uns, aber die Stimmung ist bestens...

 



Tag 5, Mittwoch: Von Holland nach Bremen.                                        11.07.12

Weil es bisher im Land so schön war, haben wir noch einen Tag quer durch die Niederlanden angehängt. Nach dem Schock 'Bruxelles- Kaputtland' ist schnell mal klar, warum Holland für Psychotherapeuten ein schlechtes Pflaster ist. Vielleicht weill das Land noch immer prosperiert, sind die Menschen relativ gemütlich unterwegs - meistens mit Fahrrädern. Keine Strasse, die nicht beiseitig Fahrwege für Velos aufweist. Erstaunlicherweise sind auch bei Regen die Stadt-Biker unterwegs und statt dem Handy haben einige den Regenschirm in der Hand. Velofahren ist hier die Kunst der Fortbewegung und oft die einzige Möglichkeit in die Innenstadt zu fahren. Genauso wird es hoffentlich bald auch bei uns sein...

Die holländischen Dörfer - so süss!

Ich bin mir schon bewusst, dass wir noch tausende von Kilometern vor uns haben - aber regelmässig verlassen wir die Autobahn um ins Hinterland zu fahren und werden dies weiter tun. Die Nebenstrassen führen über Grachten und Flüsse, welche schiffbar sind. Häufig sind Drehbrücken installiert, welche es erlauben, auch mit grösseren Kähnen unterwegs zu sein.

Viele Hausbesitzer haben ihr Schiff gleich hinter dem Haus angeleint. Manchmal sind es Boote in lausigem Zustand, andere sind perfekt unterhalten. Die Vielfältigkeit der Häuser und deren Umgebung steht im Gegensatz zur Gleichförmigkeit der Landschaft, welche nur aus grossen Feldern und kleinen Waldgruppen besteht.

Groningen, einen Besuch wert - auch bei Regen.

Gut, die Holländer haben einen guten Grund, im Sommer so zahlreich in Spanien aufzutauchen, denn ihr Wetter ist keinen Deut besser als das der Briten. Die Daheimgebliebenen müssen es natürlich ertragen, aber immer wieder werden wir wegen dem miesen Wetter angesprochen.

Vielleicht liegt es an meinen optimistischen, kurzen Urlauberhosen! Ich sage dann, dass wir nach Stockholm unterwegs sind und dort werde es nur noch kälter. Das tröstet offensichtlich...

Im Gegensatz zu Frankreich und Belgien sind hier in den Niederlanden die Geschäfte und Boutiquen alle offen. Business scheint noch zu existieren! Die Preise sind im Vergleich zu Frankreich und Deutschland eher etwas angehoben, aber die Leute konsumieren. Gerade in der Kleinstadt Groningen, nahe der deutschen Grenze sind die Gassen trotz Regen voll von Menschen!
 



Tag 4, Dienstag: Gruss aus Amsterdam.                                           10.07.12

Ja Amsterdam. Vielleicht die Stadt, welche trotz der Ausländerschwemme noch lebenswert ist. Möglich machen es die abgeklärten, liebenswerten Menschen. Im Gegensatz zu den abgelöschten Belgiern scheinen die Holländer gute Laune gepachtet zu haben.

Wir habe die Sonne (kurz kam sie doch zur Geltung) ausgenützt und zu Fuss die Innenstadt erkundet. Trotz wind und drohenden Wolken waren in mehreren Strasse Verkaufsstände aufgebaut und offensichtlich auch gut besucht.

Natürlich rodieren hier Menschen aus aller Herren Länder (vor allem aus Afrika) durch die Menge - aber es geht friedlich und ohne die unsichtbare Spannung der Apartheit, welche in Frankreich und Belgien greifbar ist, über die Bühne. Apropos Bühne: Viele junge und nicht mehr so junge Bürger dieser einstmals für das Hippietum bekannten Stadt präsentieren sich mindestens originell in der Oeffentlichkeit. Vielleicht trägt dieser Hang zur witzigen Originalität zur allgemein guten Stimmung bei.

Wir lösen uns nur ungern von Amsterdam, irgendwie fühlt man sich angezogen von diesen leichten, auf den Fahrrädern dahinfliegenden Menschen. Das Wetter erlaubte es leider nicht, abends noch den Hafen zu erkunden und auch diese Facette der Stadt zu erleben. Es wäre für uns noch noch viel zu entdecken im freundlichen Amsterdam - aber der Norden ruft.




Tag 3, Montag: Brüssel, den Afrikanern hingeworfen!                       09.07.12

Es sind Jahre her, dass ich Brüssel besucht habe. Oft hatte ich in Luxemburg zu tun, den gesichtslosen Stadt der Banken und Treuhänder. Was will man schon in Belgien? Immerhin ist Brüssel ja die europäische Hauptstadt oder sowas ähnliches. Belgien geht es miserabel, es wird in etwa in der Situation von Griechenland angesiedelt - nur spricht keiner davon.

Kein Wahrzeichen, keine Kultur und nur zwei Dinge haben Belgien in unser Gedächtnis platziert: Da war mal die Weltausstellung mit dem Atomium und Marc Dutroux, der Kinderschänder.

Was nun mit Brüssel passiert, hätte allerdings das geschundene Land nicht auch noch verdient. Die Stadt ist von Afrikanern fast vollständig verschandelt worden! Paris und Berlin haben Problembezirke - hier ist die ganze Stadt futsch.

Das Regierungs- und Bankenviertel ist leblos - auch mitten in der Woche sieht man kaum einen Menschen. Keine Boutique, nicht mal ein Mc Donalds. Die hier beschäftigten Menschen kommen in ihren Limousinen, fahren in die Tiefgaragen, machen ihren Scheissjob und verschwinden wieder in die ausserhalb der Stadt liegenden Villenviertel - abgeschirmt vom Elend.

Schrottcity - oder Eurokampala...

Der Rest der Stadt ist dreckig, dem Verfall preisgegeben und anarchisch mit afrikanischem 'Lifestyle' belegt. Kilometerweise ist kein Einheimischer mehr zu erblicken. So etwas von allgemeinem Zerfall habe ich zum erstem Mal vor vielen Jahren in Jackson, New Jersey gesehen! Die ehemaligen Expo-Gebäude sind alle leer, die angrenzenden ehemaligen Business-Center verwaist und die Parkplätze mit den Gartenanlagen sind von Kaninchenhorden bevölkert. Die vorbeikommenden Afrikaner benutzen die Büsche schamlos für ihre Notdurft - die Spuren sind von der Strasse aus zu erkennen!

Der königliche Park ist von den Immigranten in Beschlag genommen. Hunderte von Kopftuchfrauen mit ihrer schreienden und fussballspielenden Progenitur laufen über den Rasen. Auf den sonst leeren Parkplätzen sind einige Drogendealer mit aufgemotzten BMW's zu beobachten, sonst liegen Abfall, Matratzen und Teppiche umher. Gespenstische Szene...

Gut, ein Besuch des Atomiums muss noch sein. Auch hier rodieren die lärmenden Afrikaner mit ihren Kindern umher und trotz Verbotsschildern (ja, ich weiss, die können nicht lesen) turnen die Jugendlichen auf den Einrichtungen herum. Wir haben nur noch einen Wunsch: Sofort abhauen und nie mehr hierher zurückzukommen!
 



Tag 2, Sonntag, Le Mans Classic.
                                                              08.07.12

Es ist kalt - um die 14 Grad und der Himmel ist bedeckt. Aufhellungen wechseln sich mit Schauern ab. Die armen Teufel in ihren alten Kisten in Le Mans!

Wir kommen gegen mittag an. Die bestellten Karten und mit dem VIP-Parkplatz sind bereit. Eigentlich hat man wenig Lust, bei dem Wetter ein Rennen zu gucken. Wir sind ja hier und die klassischen Racecars sind ja sonst nie in so grosser Menge auf einem Haufen zu sehen. Die wunderschön aufgebaute Zeltstadt mit unzähligen Ständen und den 'Boxen' für die Hunderten von Teilnehmern ist schon eindrücklich und einmalig.

Wir sind erstaunt ob dem Haufen Publikum trotz der Kälte - und später erfahren wir, dass dieses Jahr für die Le Mans-Classic 110'000 zahlende Zuschauer gezählt worden sind. Neuer Rekord!

Um 15 Uhr geht es mit dem 'Le Mans-Start' los.

Ein Riesenfeld mit etwa 80 Autos wird im Stil der sechziger Jahre aufgestellt und die Fahrer müssen ihre Mühlen nach einem Sprint über die Piste entern und losfahren. Eine Riesengaudi!

So war das früher mal zu Jo Sifferts Zeiten! Ein Lotus und ein Healey knallen dann auch zusammen und unter dem Beifall der Zuschauer können beide nach ein paar Fusstritten gegen das teure Aluminium weiterfahren.

Das ganze Feld wird dann noch mal angehalten und erst nachdem sich die Fahrer angeschnallt haben wird dann zum Rennen gestartet. Vorne sind natürlich die Jaguar D und die Ferraris, gefolgt von der Meute mit Porsches, Healeys, Aston Martins und vielen Lotus. Man muss anerkennen, dass die Fahrer schon ganz toll Gas geben - es sind ja einige grosse Namen dabei...

Und schon geht der Trip wieder weiter...

Erst wollten wir mit ein paar Freunden feiern, aber dann machen wir uns auf den Weg - den sehr langen Weg - denn es liegen ja Tausende von Kilometern vor uns.

Ich erhalten noch ein Exemplar des neuen Le Mans-Driver-Buches 'The Register' und werde im 'Club des Pilots' herzlich verabschiedet. Dann bis zum nächsten Jahr - in der Hoffnung, als Fahrer zurückzukehren! Die Sonne kommt - gutes Omen

Kurz vor Rouen nächtigen wir auf dem Parkplatz eines  Spezialitätenrestaurants. Vielleicht macht der ja früh auf für uns - auf eine 'Petit Déjeuner'?!

 



Tag 1, Samstag, Anfahrt ins Chateau.                                                                   07.07.12

In Frankreich haben die Ferien begonnen und dies macht sich durch Staus von über 300km Länge bemerkbar. Allerdings bestehen diese nur im Süden von Paris und zwischen Valence und Barcelona. Wir sind also nicht betroffen.

Ein anderer, nie da gewesener 'Incident' macht von sich reden. Das gesamte Mobil-Telefonnetz von Orange fällt aus und kann tagelang nicht repariert werden. Man spricht von Software-Problemen. Einige spekulieren, dass Hacker sich den Spass geleistet haben. Am Radio wird auch diskutiert - ganz typisch Frankreich - wie sich die Orange-Kunden entschädigen lassen können...

Ueberall sind starke Gewitter aufgezogen und in der Tat regnet und stürmt es fast die ganze Nacht. Nur, wenn man von der Fahrt im kleinen Renault hundemüde ist, schläft man immer wie in Abrahams Schoss!

 



D
as Fahrzeug: Carthago M-Liner, genannt 'HANNIBAL'                             05.07.12

Man kann in einem 2CV oder VW-Bus nach Indien fahren - solche Dinge haben auch wir vor dreissig Jahren gemacht. Dazu muss man sehr jung, risikobereit und vor allem fast mittellos sein.

Heute liebe ich das Abenteuer immer noch - aber die Ansprüche sind naturgemäss gestiegen. Höchster Komfort und maximaler Raum sind auf Reisen nicht zu übertreffen. So kommt man nicht umhin, den Kauf eines grossen Reisemobils zu beschliessen. Rund 20 m2 Raum sind da aufgeteilt in Cockpit, Salon, Bad, Galley und Schlafzimmer - natürlich alles sauber mit richtigen Türen abgetrennt. Kein Gebastel und Improvisation wie dies sonst aus Gewichtsersparnis oft vorkommt. Alcantara, aufwändige Beleuchtung, dicke Teppiche und die Ausstattung mit feinster Möblierung, das ist in unserem Fall das Mass der Dinge!

Dass so ein Ding für den Fahrer einen Ausweis für Lastwagen - und besser schon einen erfahrenen Driver - erfordert,  ist die logische Konzequenz. Nachteilig ist der Umstand, dass fast der dreifachen Tarif auf Autobahnen fällig ist, der Coach nicht auf jede Fähre und Brücke passt und auch ziemlich grossen Dieseldurst hat. Das Erlebnis allerdings, alleine oder zu zweit so 'verschwenderisch' unterwegs zu sein, ist mit keiner Reiseart zu vergleichen. Man muss wissen, was man will und die Konzequenzen halt tragen.

Wer frech genug ist, positioniert sich auch mal vor die schönsten Aussichten und Wahrzeichen dieser Welt! Wenn man in solchen Fällen im PW oder Camper fast immer wegewiesen wird - besteht einem grossen Bus gegenüber bei den Stadtwächtern offenbar eine entsprechende Toleranz! Meistens hat es in grossen Städten Busplätze vor den Wahrzeichen - ein 'Séjour' direkt vor dem Eifelturm oder mitten in Prag ist also schon mal denkbar. Abgeschleppt wird ein solches Monster eben auch nicht - hoffen wir mal...

 

 

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