:: Gregor Fischer ::

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'Tour d'Orient'

Istanbul retour


2. November bis 6. Dezember 2013



Nächsten Monat, Anfangs November geht es los. Die erste Hälfte der Tour führt über München, Salzburg, Wien, Warschau und Zagreb nach Istambul. Die Rückreise wird dann zuerst über die Berge des Kosovo und dann entlang des adriatischen Mittelmeeres führen. Tirana, Dubrovnik, Split, Lublijana und natürlich auch Venedig gehören zu den Höhepunkten. Ich hoffe, dass die Wettergötter einigermassen gnädig sind.

Komfort und Luxus steht vor Abenteuer und Risiko.

Die Strassen sind heute auf 'europäischem' Niveau - anders, als ich damals, als ich schon vor über dreissig Jahren mit einem Renault R4 mit einem Freund nach Ankara fuhr! Zu dieser Zeit war es wirklich ein echtes Abenteuer, eine solche Tour zu machen. Aber wir waren jung, risikofreudig und wollten uns beweisen. Nun, die Menschen waren sehr freundlich und neugierig auf jeden Touristen, der sich in den Balkan verirrte.

Heute ist dies natürlich völlig anders. Länder wie Bulgarien und Albanien sind in Europa nun voll in Europa integriert und ab Januar 2014 gilt die Personenfreizügigkeit. Auch verfügt auch im ehemaligen Reich des Warschau-Pakts heute über moderne, globale Verhältnisse - bwohl die Armut anscheinend massiv zunimmt. Es wird interessant werden je mehr es nach Osten geht.

Ich bin sehr gespannt auf die vielen Eindrücke und auch die Menschen in ihren Ländern. Wir kennen die 'Balkaner' und Türken hier bei uns nur als Flüchtlinge. Es sind isolierte Gruppen, mit welchen man normalerweise keinen Kontakt hat.

Diesmal ist die Tour auch eine richtige Expedition.

Ich bin natürlich sehr gespannt wie alles abläuft. Kroation und die Tschechische Republik beispielsweise sind voll angepasst - wobei ich in mich in Polen letztes Jahr gar nicht wohl gefühlt habe. Erstens ist das Land ungepflegt, sowohl was die Strassen, die Felder und auch die Häuser anbelangt. Die Menschen sind eher feindselig und uninteressiert - dies merkt man vor allem beim Einkaufen, aber vor allem auf der Strasse ist das Benehmen dann schon fast kriminell. Die Aggression und die Leichtsinningkeit zeigt, dass die Menschen dort unzufrieden sind und auch unnötige Risiken eingehen, wenn sie sich einen Vorteil erhoffen. Ich werde den Menschen in den 'sensiblen' Ländern wie Rumänien, Bulgarien und natürlich auch Griechenland natürlich indifferent und freundlich entgegentreten, aber genau beobachten wie sie reagieren.
 


Das vorläufige Reiseprogramm:

D01 Zürich - CH
D02 Walenstadt - CH
D03 Vaduz - FL
D04 München - D
D05 Salzburg - A
D06 Wien - A
D07 Bratislava - SLO
D08 Budapest - H
D09 Budapest - H
D10 Belgrad - SBR
D11 Timisa - ROM
D12 Sofia - BUL
D13 Sofia - BUL
D14 Istambul - TR
 


Fett = LINK zu Ort und Bericht

D15 Istambul
D16 Thesaloniki - GR
D17 Mazedonia
D18 Tirana - AL
D19 Podgorica - MK
D20 Dubrovnik - HR
D21 Split
D22 Zadar
D23 Lublijana - SLO
D24 Trieste/Venezia - I
D25 Verona/Milano
D26 Lugano - CH
D27 Luzern
D28 Lengnau


Die Vorbereitungen sind Routine.

Der Carthago M-Liner, bei uns Hannibal genannt, ist schon 'erfahren' - denn von Norwegen bis Portugal war schon ganz Europa auf dem Programm. Trotzdem - die Reise quer durch den Balkan bis ins Ottomanische Reich ist anspruchsvoller und komplizierter. Dies fängt an bei der Ausrüstung. Bestimmte Länder verlangen Bordapotheke, Ersatzlampen, das CH-Schild am Heck und weitere Dinge, welche man bei uns nicht mitführt. Das Fehlen kann willkürliche Bussen in grosser Höhe  - oder gar die Stilllegung des Fahrzeuges nach sich ziehen! Dies sind dann die Dinge, welche einem die Freude an der Reise ganz schön verderben können. Richtig gefährlich sollte es jedoch in keinem der Länder sein - aber Vorsicht ist bekanntlich besser als nachträglicher Verdruss. Die Wasserqualität ist auch nicht garantiert und so muss man an 'gesunden' Stellen dafür sorgen, die Tanks zu füllen - welche beim Carthago mit 200 Litern so sehr grosszügig sind.

Ueber einen Monat am Stück in fast zwanzig Ländern mit dem Motorhome unterwegs zu sein ist eine Erfahrung, welche ich so noch nicht gemacht habe. Eigentlich für den Oktober vorgesehen, musste der Start auf den November verschoben werden. Einmal die ersten tausend Kilometer hinter uns war die gar nicht mehr so übel. Der Trip war ein Erlebnis und auch eine Expedition. Solche Abenteuer sind die Dinge, welche mein Leben differenzieren. Es hat mir Urlaub wenig zu tun, es sind vor allem auch humane Entdeckungen und Herausforderungen.

Die Sorge der Investoren und der Menschen, welche frei entscheiden können gehen ja immer nur in eine Richtung - der Zukunft. War wird morgen sein? Ich kenne ja den ganzen Globus von vielen Reisen und Aufenthalten über Jahrzehnte. Trotzdem hat diese letzte Tour vielleicht am meisten Relevanz auf meine künftigen Entscheide. Die ganz krassen Unterschiede zwischen manchmal sogar Nachbarländern, welche nun 'Europa' darstellen, hätte ich mir niemals so vorgestellt. Umsomehr weiss ich nun, auf welchen enormen Irrtümern und falschen Hoffnungen das Weltbild meiner Bekannten und Mitbürgern beruht. Gute Nacht, Freunde, sage ich nur...

Los geht es bei Dunkelheit und Regen.

Herbstwetter in der Schweiz. Am Sonntag dann noch Blitzbesuch an der Auto Zürich. Circulez - pas grand chose a voir... Montag dann noch ein paar Besprechungen mit Geschäftspartnern und dann ist Schluss mit Verpflichtungen. Nightstop am Walensee mit immerhin einem passablen Föhnwetter, was einen kleinen Spaziergang erlaubte.

Der Hannibal vor eindrücklicher Kulisse der Kurfirsten macht stille Werbung für Carthago-Reisemobile. Dann die Enttäuschung: Die Heizung versagt - Grabeskälte von 14 Grad am Morgen. Gut, der Hannnibal hat einerseits Zentralheizung über einen Wärmetauscher mit dem Motor und dazu einen Webasto-Brenner ebenfalls über die Umlaufpumpe. Aber erstens ist das lärmig und zweitens ist die Temperatursteuerung nur grob möglich.
Ich werde nicht auf den exklusiven Komfort der Gas-Zentralheizung verzichten und beschliesse über Regensburg - wo die M-Liner von Carthago hergestellt werden - zu fahren. Aber zuerst ziehe ich alle Register der Depannage: Der Wiederstart der 'Unit' bringt eine Funktionsdauer von nur einer guten Viertelstunde. Weiter dann genaue Konsultation des Manuals. Ich entdecke dann, dass im versteckten Expansionsgefäss das Niveau etwas unter 'MIN' gefallen ist. Auffüllen und alles funktioniert wieder - schön!

Zum Glück kenne ich hier alles.

Am Dienstag über Liechtenstein (auch das Ländle wird auf der Tour 'mitgenommen') weiter über Bregenz ins deutsche Allgäu. Am Mittwoch steht München auf dem Programm - aber das Wetter ist zum Kotzen! Kalt, windig und Regen. Wenn das nur nicht so weitergeht! Dazu besteht Fahrverbot für alle Schweren Motorwagen im ganzen Stadtgebiet. Bei dem Wetter nützt auch der Scooter nichts.

Ausserdem erinnere ich mich ungern an die heruntergekommene und von herumlungernden, rauchenden Ausländern beherrschte Innenstadt von München -  Zustände, welche wir vor einem Jahr angetroffen haben. Also mal weiter Richtung Oesterreich. in der Nähe von Rosenhem ist der Nightstop angesagt - morgen soll es wieder richtig schön werden, aber nur für einen kurzen, lausigen, kleinen Tag...

Die garantiert schönsten Tage.

Tatsächlich plötzlich ein Wunderwetter! Heute ist Salzburg auf dem Programm. Unterdessen habe ich andere 'Tunings' am Hannibal vornehmen müssen. Bei gleichzeitiger Benutzung von Kaffee-Maschine und Haarföhn ist der 'Schütz' rausgeflogen. Bis ich den gefunden hatte! Aber um neun Uhr war wieder alles ready to go. Was ein sonniger Tag und das Cruisen auf der fast leeren Autobahn doch Spass machen kann! In Salzburg machten wir einen grossen Marsch - von der Innenstadt auf den Berg mit der Festung und dem schönsten Ausblick. Aus dem Kaffee Winkler ist das brandneue M32 geworden mit dem totalen Panorama über die Stadt und Donau. Man merkt sofort, dass man in Oesterreich angekommen ist - die Menschen sind freundlich und teilweise fast herzlich. Was für ein Unterschied zum gehetzen Rest von Europa und dem depressiven, gehässigen Frankreich...

Sommer am Wolfgangsee...

Ich beschliesse, die Strecke über Bad Ischgl und Gmunden mit den bekannten Seen zu packen. Die Fahrt mit dem LKW ist zwar etwas beschwerlich - aber wir ziehen wirklich den Jackpot! Am Wolfgangsee mit sommerlichen Temperaturen von fast 20 Grad und strahlendem Sonnenwetter. Das beflügelt und der Marsch auf eine kleine 'Alpwirtschaft' mit einem Golfplatz am Hang wird zur Sommertour. Natürlich ist alles noch nass vom tagelangen Regen, aber dafür grün und sauber wie aus dem sprichwörtlichen Bilderbuch. Hausgemachte Zwetschgenkuchen, ein Viertele Weisswein und ein echtes Sonnenbad machen wirklich aussergewöhnlich Spass. Noch am Abend ist Wien auf dem Programm.

Wien - nur noch ein Schatten der Vergangenheit.

Heute hat es von Mittag an den ganzen Tag geschüttet - immerhin war noch der Besuch von Schloss Schönbrünn (der Sissi-Steinhaufen) und des wirklich eindrücklichen Zentralfriedhofs von Wien möglich. Ich jedenfalls kenne keinen Friedhof auf dieser Welt, welcher ähnlich Ausmasse aufzuweisen hat. Viele Familien habe fast mausoleumsartige Gruften und die Alleen zwischen den Gräbern sind kilometerweit sternförmig angelegt. Einer der kleinsten aktiven Friedhöfe, der bemerkenswert ist, habe ich in den USA angetroffen - Seeligman man der Route 66. Ja, ich besuche gelegentlich Friedhöfe. Wenn man sich ein bisschen auskennt, sagen diese Orte viel über die gestorbenen und noch lebenden Bürger aus.

Ansonsten ist Wien noch immer zum grössten Teil am Verfallen, die Häuser sind verwahrlost und die lärmenden Trams sind teilweise aus den Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts. Gebaut wird wenig, die Strassen sind schlecht und sobald man den Stadtkern verlässt sind die Geschäfte entweder zu oder zu einer Dönerbude transformiert worden. Eine Stadt welche für sich selbst wohl wenig Zukunft sieht.

Ganz anders Bratislava! Die slowakische Kapitale boomt offensichtlich. Nicht dass sie aus den Nähten platzt - aber es wird viel gebaut und für ein 'östliches' Land sogar mit stilistischem Geschmack. Die alten Plattenbauten sind renoviert und die Fassaden mit Farben lebendig gemacht. Was für ein Unterschied des Stadtbildes zur graufinsteren Zeit, als ich vor 25 Jahren hier war!

Endlich wieder mal in Ungarn!

Anfahrt am Sonntag (10.Nov) in Budapest, bei gutem Wetter. Irgendwie hat mich Ungarn immer fasziniert. Ich weiss nicht ob es die unendlichen Weiten des Landes, die Leute oder die Städte sind - sowas ist schwierig zu analysieren. Wieder mal da - das ist schon mal ein grosse Freude!

Budapest ist eine riesige Stadt, die Fläche verteilt sich auf viele km2, geteilt durch die Donau. Schon um halb fünf nachmittags ist auch bei gutem Wetter zu dieser Jahreszeit bereits dunkle Nacht. Schwierig ist die Orientierung, weil alles nur in ungarisch angeschrieben ist - und wer von uns spricht schon diese Sprache?!

Uebernachtet haben wir in einer breiten Strasse in der Peripherie des Parks. Der Anlage ist gut beleuchtet und ein paar Schritte weiter ist eine Beiz und auch McDonald und Company sind vertreten. Die Polizei ist auch am Sonntag fleissig unterwegs, aber ich habe bisher mit den Ordnungshütern nichts zu tun gehabt. Die nächsten Länder sind Rumänien und Serbien und dort soll es anders sein. Vorsichtshalber habe ich einen Packen 10-Euro-Scheine für eventuellen 'Wegzoll' dabei. Die Erfahrung hat aber gezeigt dass eher Touristen in bescheidenen Autos Opfer sind, dies wissen einige Berichte im Net. Unser Riesen-Bus ist jedoch etwas respektheischender! 

 Rumänien - ganz wie erwartet.

Ok, man weiss es, Rumänien ist arm und die Menschen haben weder Ordnungssinn noch Disziplin. Und dann noch die Romas... Wie (fast) alle Voruteile trifft auch dieses ziemlich ins Schwarze.

Wenn man von Ungarn einfährt - das erste Mal auf der Reise übrigens mit richtigem Zoll und einer genauen Passkontrolle mit wichtiger Miene - wähnt man sich fast in Afrika. Nicht dass die Menschen schwarz wären, aber die Sauerei im die mehr oder weniger verfallenen Häuser und den Strassen entlang ist schon ungewohnt.

Wie auch immer, wir erreichen schnell Timisuara, eine der wichtigen Städte des einstigen Reiches von Ceauscescou, berühmt geworden auch durch die Massaker im yugoslawischen Bürgerkrieg. Natürlich ist auch in dieser Stadt ein gewisser Fortschritt zu sehen. Viele Supermarktketten sind hier: Lidl, Kaufhof, Obi, Aldi und sogar Auchan. Die Geschäfte scheinen zu laufen und die Preise sind niedrig. Wir übernachten auf dem Parkplatz einer Chemiefabrik mit der Absicht, am Morgen nach Serbien weiterzureisen. Auf dem Weg dahin besuchen wir noch kleinere Orte, welche meist zwei Kirchen nebeneinander haben - die Katholische und die Orthodoxe. Alle stehen offen und unterscheiden sich doch sehr, sowohl in der Architektur als auch in der Innenausstattung, wenn man dies so sagen kann.

Belgrad - was für eine Ueberraschung!

Am Zoll die grosse Show wie es früher mal war: Passkontrolle bei der Ausreise aus Rumänien und dann auf serbischer Seite Kontrolle aller Papiere und Eintippen der Personaldaten in den Staatscomputer. Dann aber auch noch eine richtige Inspektion des Motorhomes durch die anwesende Brigade, welche übrigens gut englisch spricht. Der Chef ist total begeistert und zeigt dies auch. Willkommen in Serbien und ihr werdet keine Probleme haben, wie dies die Zeitungen bei euch berichten mögen! Zum Schluss gibt es noch einen Stempel in den Pass. Interessant ist auch dass Rumänien eine Stunde Zeitverschiebung hat und man in Serbien dann die Uhr zurückstellt.

Weit ist es nicht bis Belgrad, der Hauptstadt dieses Landes, das einst Grossserbien werden wollte. Die Dörfer sind viel gepflegter als in Rumänien und mit Ungarn vergleichbar. Noch ein paar Kilometer bis Belgrad. Schon während dem Ueberqueren der hier mehrere hundert Meter breiten Donau ahnt man die Grösse der Stadt. Ich war noch nie hier und mir bleibt glatt die Spucke weg. Richtig kennenlernen kann man die Stadt wohl nur, wenn man eine ganze Woche bleiben würde. Ausser der Kernstadt mit all den sehr eindrücklichen Gebäuden gibt es eine Art Satellitenstadt 'Neo Belgrad' mit grossen Einkaufszentren im US-Stil und vielen Neubauten. Das war doch Milosevic-Land mit all den irrsinnigen Mördern?! Heute jedenfalls ist nur etwas zu bemerken - die Stadt und das ganze Land scheinen zu boomen! Ordnung und eine gewisse Disziplin sind auszumachen, ganz im Gegensatz eben zu Rumänien. Ja, gewisse Dinge muss man halt selber sehen und erst dann begreift man, was einem alles von der Systempresse erzählt oder auch vorbehalten wird.

Eine Enttäuschung allerdings ist gross: Der Scooter ist schon wieder in Panne. Ich habe das Ding vor knapp einem Jahr bei ATU (Autotechnik Unger) neu gekauft, weil ich ein zuverlässiges Produkt haben wollte. Ich bin erst 130 km damit gefahren und schon zum zweiten Mal stellt er komplett ab und natürlich mitten in Belgrad.

Mit allen Tricks konnten wir uns zum stationierten Hannibal retten und nun werden wir sehen, was in Istanbul geschieht. Es war vorgesehen beide Teile der Stadt im Scooter zu erkunden - vielleicht kann ich das tückische Teil reparieren lassen und sonst ist halt Taxi und Fussmarsch angesagt...

Bulgarien - wirklich ein 'europäisches' Land?

Heute werden wir das letzte 'christliche' Land durchqueren: Bulgarien. Die Hauptstadt Sofia habe ich zwar vor Jahren auch mal besucht, aber ich erinnere mich kaum an Details. Das war einfach 'der Osten', das riesige Yugoslawien und einfach schnelle zu durchqueren, wenn man nach Istanbul gelangen wollte. Nun, ich mache es kurz: Sofia ist ein Albtraum! Dreckig, übervölkert, im totalen Verfall und mit einer Fauna bevölkert, welcher man einfach nicht begegnen will. Ok, ich kenne das heutige Bukarest (Rumänien) nicht, aber schlimmer als Sofia kann es nicht sein. Die Palme der lausigsten Lander der EU kommt meiner Meinung Bulgarien zu - und das Schönste ist, dass die Bulgaren am nächstem Jahr bei uns installieren können wann immer sie wollen. Nachdem ich ihr Land gesehen habe, weiss ich mit wem wir es zu tun haben werden. Es ist nicht ein nur Problem der Armut wie in Rumänien sondern die Bulgaren haben ihr Land versifft. Ueberall Müll und der Zustand der Strassen spottet jeder Beschreibung. Das sogenannte EU-Land Bulgarien? Darum muss man einfach einen weiten Bogen machen!

Die Türkei, endlich angekommen - im Orient.

Die Zollstation vor Erdine ist grossartig und von riesiger Dimension. Ich musste es kennenlernen, denn der einzige Fehler, der mir unterlaufen ist, war das 'Nichtmitführen' des Fahrzeugausweises des Rollers, der  in der Garage mitfährt. Nach langem Hinundher und rumrennen auf dem gigantischen Areal erhielt ich dann ein temporäre Bewilligung zum Ein- und Ausführen des Scooters - welcher übrigens seit Belgrad seinen Dienst versagt. Ein Papierchen das fehlt und der Aerger kann grenzenlos werden! Mindestens mussten wir nicht umkehren. Natürlich ärgern mich solche Versäumnisse grandios - aber dies kommt immerhin nur ganz selten vor..

Das Weitere sind nur noch positive Ueberraschungen. Mindestens der westliche Teil der Türkei ist ganz offensichtlich ein wirtschaftliches Erfolgsmodell. Die Strassen sind neu oder bestens unterhalten, die Felder bestellt und flächig werden neue Gebäude jeder Art hochgezogen. Wir fahren bis Silivit, einem kleinen Badeort vor den Toren Istanbuls. Die Uebernachtung auf einer Uferstrasse am Meer wird nur durch gelegentliches Hundegebell gestört. Herumlungernde Köter und Katzen sind hier zu Tausenden unterwegs.

Istanbul ist ein eindrucksvoller, sympathischer Moloch.

Die schiere Grösse der Stadt ist umwerfend. Es gibt einen europäischen und asiatischen Teil, verbunden durch die berühmten Brücken am Bosporus. Erstaunlich ist das Verkehrsystem. Für die privaten Autos stehen je sechs Spuren in jeder Richtung zur Verfügung. In der Mitte dieser effizienten Verkehrsachse fahren getrennt die Metro-Busse, eine Art Trams auf Reifen. Genial, sowas gibt ein nach meinem Weissen in der Form sonst nirgends. Diese knapp 20 Meter langen Gelenkfahrzeuge haben ihre Spur zwischenD Leitplanken, welche sie nie verlassen. Die Stationen werden über Passarelle und Rolltreppen für die Passagiere erschlossen. Der Rest der Strassen wir durch Minibusse bedient, welche überall anhalten und ihre Fahrgäste aufnehmen. Der öffentliche Verkehr in Istanbul ist anders - aber er funktionier perfekt!

Wir machen heute sonntags - die meisten Geschäfte sind geöffnet - Bekanntschaft mit einem Teil der Innenstadt und der Bevölkerung, das heisst der Geschäftsinhaber und Angestellten. Ich kaufe drei Hemden und ein paar sehr weiche Lederschuhe. Ein türkische Lira ist etwa 50 Rappen wert.

So ist es einfach, die Preise einzuschätzen und die sind fast immer günstiger als bei uns. Ausser der Sprit: Knapp zwei Franken kostet der Liter und Diesel ist nicht viel billiger. Nun, Istanbul ist trotzdem auf Rädern. Die Sonne scheint zwar wunderbar, aber eine kühle Brise weht.

Abendessen in einem kleinen Restaurant - eine Art Pizzas in der Art von Dönerkuchen oder was auch immer. Schmeckt. Wir sind hier in einem Wohnquartier mit den Geschäften, umweit eines sehr modernnen Spitals. Auch um zehn Uhr abends sind die Spielplätze noch sehr lebendig und die Menschen unterwegs - viele mit Einkaufstaschen. Sogar auf Baustellen wird noch gearbeitet. Hier ist der Sonntag offensichtlich niemandem heilig, umso besser für das fröhliche Leben auf der Strasse und in den Cafés! Die Bettelei hält sich im übrigen zu den nordafrikansichen Ländern sehr im Rahmen und zielt vor allem auf Ladeninhaber. Unser Bäcker gibt jedenfalls einer alten, verschleierten Frau, welche gar nicht in den Laden kommt, Essen mit. Sie scheint Stammkundin zu sein, bedankt sich sehr und geht. Schön, solche Dinge zu sehen...

Welcome to Asia, steht auf der Riesentafel.

Heute Montag, den 18. November habe ich den Bosporus überquert. Istanbul ist ja auf beiden Seiten der Meerenge eine eigene Millionenmetropole. Eigentlich habe ich erwartet dass der östliche Teil weniger ausgebaut und modern wäre - eben so wie man sich eine muslimische Stadt vorstellt. Nun, es fehlen einem die Worte. Es nimmt kein Ende mit Wolkenkratzern, Einkaufstempeln und modernen Wohnhäusern. Die Verkehrsadern sind mindestens grosszügig zu nennen und haben bis zu 14 Fahrbahnen - das sind nicht amerikanische Dimensionen, sondern noch eine Ebene darüber. Der öffentliche Verkehr ist auch hier bestens ausgebaut und es wimmelt von Menschen überall. Das das Wetter fantastisch ist, macht die Sache perfekt. Wenn ich an die sterbenden Städte bei uns wie Paris, Madrid und Rom denke, kann ich nur feststellen dass sich die Zukunft offensichtlich nicht mehr bei uns abspielen wird.

Baukräne, riesige Gruben, neue Strassen.

Ein eventueller Beitritt der Türkei in die EU wäre meiner Ansicht nach eine eher Bedrohung unserer sterbenden Gesellschaft und Wirtschaft durch die wirtschaftliche Stärke dieses Landes - und nicht, wie man uns so gerne weismachen will, durch die Islamisierung. Hier in Istanbul ist übrigens von Religionseifer nicht viel zu sehen. Klar heulen von Zeit zu Zeit Lautsprecher mit Muezzinrufen, aber dies ist Folklore. Ueberall gibt es Alkohol, junge Mädchen produzieren sich in Leggins und Stilettos. Vor allem alte, dicke Weiber sind verschleiert und dies ist auch besser so fürs Auge des Betrachters.

Die finsteren 'Türken', welche bei uns unangenehm auffallen, sind meistens Kurden und Feinde der modernen Türkei. Es ist heute überall auf der Welt nämlich so, dass vor allem die Versager auswandern. Viele Türken bei uns sind offensichtlich 'Ausgestossene' in ihrem Land und suchen nun bei uns zu profitieren. Die Schweizer - und dies waren doch etliche - welche ich im Ausland angetroffen habe, waren ja auch meistens nicht gerade erste Sahne! Ich habe einige qualitativ gute Hemden erstanden. Es gibt ja die 'Gegenbewegung', nämlich junge türkische Secondos, welche bei uns Sprache und Benehmen gelernt haben und nun in ihr prosperierendes Land zurückkehren. Genau dies würde ich an ihrer Stelle auch tun.

Egal, ich beschliesse, noch bis Izmit zu fahren - aber das hat bis morgen Zeit. Uebernachtung direkt am Meer, in einem vollig neu angelegten Park mit einer kleinen Marina und einigen Restaurants. Der Sonnenuntergang ist kitschig schön und ich mache natürlich ein paar Bilder. Dies muss jeweils einfach sein, obwohl sie auch sonst nicht aus dem Kopf verschwinden.

Vor Jahren bin ich eines frühen Morgens im Privatflugzeug von Fez nach Agadir gestartet. Es lag Nebel über den Täler am Hohen Atlas und die Sonne erschien am Horizont. Dieses Bild verfolgt mich fast und es war wohl einer der eindrucksvollsten visuellen Momente in meinem Leben. Ja, ich möchte gerne noch mal mit dem Flugzeug Afrika erfliegen!

City of Thesaloniki, Greece.

Um es kurz zu machen - in der Türkei war kein Weg aufs Internet zu kommen. Um zu Surfen Uploads zu machen, braucht man einen eigenen Anschluss. Hotspots gibt es nicht. Zensur halt!

Auch die McDonalds haben nur Identifikations- und Bezahlkonti. In den Internetcafés gibt es zwar WIFI und LAN - aber der Zugang wird einem verwehrt. Ein Inhaber in Istanbul wollte mir über TOR eine Verbindung schaffen, aber er gab dann nach einer halben Stunde auf, weil meine IP-Nummer nicht 'durchkam'. Wahrscheinlich gibt es eine Gestzgebung wie in Deutschland, welche den Router-Eigner für alles verantwortlich machen, was über seinen Anschluss läuft. Der Tod des Public-Internets - vielleicht die grösste Bedrohung der Hotspots.

No Police, no Credit-Cards, no Malls.

Nun sind wir in Griechenland und da ist es problemlos aufs Internet einzuloggen - sowohl in Hotels wie auch in Cafés. Dafür ist Griechenland wirklich ein Schock. Niemand nimmt mehr Kreditkarten - weder für Benzin, noch in Restaurants und Läden. Nicht mal die Mautstelle der Autobahnen kann Karten akzeptieren - cash ist das einzige Zahlungsmittel hier.

Aber - im Gegensatz zur finsteren Hölle Bulgarien - sind die Leute nicht nur freundlich sondern zugänglich und nehmen von sich aus eine  Konversation auf. Gleich mehrere haben uns am Quai von Thessaloniki angesprochen: Ein Architekt, der in Trieste und Milano studiert hat, ein Pensionierter, der Jahre für Volkswagen in Hannover gearbeitet hat und verschiedene Menschen, welche einfach neugierig waren woher wir kamen und was uns hierher verschlagen hat.

Vielleicht vergleichbar mit den Bürgern von Chicago scheinen die Menschen hier einfach weitermachen zu wollen. Die meisten Autos sind einfach am Strassenrand abgestellt und die Strassen fast leer, obwohl die Benzinpreise zu den niedrigsten in Europa gehören. Forcierter Umweltschutz über die leere Kasse...

Sowas wie dritte Welt - aber doch geordnet.

Die Preise in den Restaurants sind lächerlich. Die meisten Geschäfte sind zu - vielleicht für immer. Die Polizeipräsenz ist gleich null. Eine Parkplatz-Anarchie hat überhand genommen. Die ehemals gebührenpflichtigen Parkplätze belegen abgestellte Autos, teilweise zeugen dicke Staubschichten von langer Immobilität. Wer anhalten will, um Besorgungen zu machen, stellt sich auf der rechten Fahrspur ab. Geht doch - aus ehemaligen 4-spurigen Alleen sind ein- oder zweispurige Strassen geworden - aber der Verkehr rollt weiter. Parkgebühren zahlt hier schon lange keiner mehr. Die Stadt läuft in einer Art Selbstverwaltung der Bürger, was zeigt, dass die Beamten und die Verwaltung gar nicht nötig ist. Ein Haufen Shitjobs, wie ich die Sesselkleberbetätigungen nenne - welche man vielleicht auch bei uns (vor allem im Funktionär-verseuchten Frankreich) zukünftig gerne weglassen kann. Der Zusammenbruch der Wirtschaft hat auch sein Gutes - die Umweltbelastung nimmt im gleichen Masse ab!


Wir sind nun drei Tage hier. Das Wetter ist schlicht fantastisch und zwanzig Grad warm. In der Schweiz ist der erste Schnee gefallen.

Zweimal auf dem Trip habe ich nun sommerliche Bedingungen angetroffen - am Wolfgangsee in Oesterreich und nun hier in Griechenland. Damit ist nun aber mit Sicherheit Schluss. Mieses Wetter ist im Anzug und wir müssen weiter. Was soll es - zu entdecken gibt es auch vieles bei kühlem Wetter. Erstaunlich viele ältere Menschen marschieren die Strandpromende ab. Einer sagt mir, dass er jeden Tag 20 km abspult. Er will sich selber wohl für bessere Zeiten aufheben.

Der Scooter - was für eine Laune hat der heute?!

Ich musste nun dringend den Scooter reparieren lassen, er lief nur noch im Schrittempo und hat geraucht wie die Hölle. Ich fand einen Verspa-Reparateur, er sagte 'no problem' und dies hat dann auch wunderbar geklappt.

Wir sind dann sogar den kaum befahrbaren Weg mit abenteuerlichen Steigrate zur mittelalterlichen Zitadelle raufgefahren und es hat sich sehr gelohnt. Die Aussicht auch den Meerbusen und die Stadt ist prächtig. Auch die Stadt selber ist, die traurig vielen leeren Läden ausgenommen, sehr lebendig und eigentlich gut unterhalten. Insgesamt haben wir hier mehr Kilometer zurückgelegt als in Belgrad, als er noch klaglos lief. Das Ding ist seit dem Kauf ein Sorgenkind. Wenn er läuft, macht er Spass, ist sehr bequem und mit viel Stauraum ausgestattet. Nun hat der kleine Kerl mit der Nummer BE 630 immerhin 150 Kilometer geschafft - in 8 Monaten!

Mazendonien - rien à voir...,

Sonntag, 24. November - Gestern abend, nach einer wirklich beschwerlichen Fahrt - noch dazu im Regen - durch die Berge Nordgriechenlands tauchte unerwartet ein kleiner Grenzposten auf. Ich hielt davor an, machte dann aber kehrt zur Tankstelle an der Gegenseite, um vollzutanken. Wie immer in Griechenland - cash und keine Quittung. Der Mann verkauft übrigens auch billigeres Heizoel ab Tanksäule - und dies direkt vor dem Zoll. Ja, in Griechenland herrschen heute andere Sitten.

Die Nacht vor einem grossen Bauernhof war nur durch Hundegebell und Dauerregen gestört. Meine Stimmung ist etwas gespannt, denn ich weiss, dass miserable, schmale Strassen vor uns liegen. Aber ich wollte unbedingt die grossen Seen in Mazedonien besuchen, welche von den Einheimischen so gelobt werden.

Das Land ist arm und armselig - der 'berühmte' Ahmed-See ist auf 700 Metern Höhe gelegen. Um dahin zu kommen, muss man mehrere Pässe von 1200 m bezwingen, mit Steigungen von teilweise über 10% - und dies auf miserablen Strassen. Die grossen Hotels aus Titos Zeiten sind praktisch alle definitiv geschlossen und die Landschaft ist ohne Höhepunkte. Eine Art dünner Juralandschaft - das wars. Mazedonien ist ein weiter EU-Kandidat welcher die Situation bestimmt nicht verbessern wird.

Albanien - ein schönes Land, rätselhaft.

Wir kennen Albaner vor allem aus Meldungen über Vorfälle und Verbrechen. Während und nach dem Balkankrieg sind vor allem muslimische Kosovo-Albaner in die Schweiz gekommen. Ungebildete junge Männer in islamistischen Ueberzeugungen gefangen und schnell beim Messer sind etwa das gängige Cliché, welches leider nahe bei der Wahrheit ist. Man geht Albanern aus dem Weg und daher war ich auch nicht sehr scharf auf das Land.

Nun, im Gegensatz zu Bulgarien, Mazedonien und auch Ungarn hat Albanien sehr viel an eindrucksvoller Natur zu bieten. Mit schroffen, eindrücklichen Bergzügen, weiten Tälern und natürlich auch schönen Küsten am adriatischen Mittelmeer ist das Land verwöhnt und wäre für Tourismus sehr geeignet. Allerdings sind der allgegenwärtige Dreck, die unfertigen Bauruinen und die eher feindselige Bevölkerung wenig einladend.

Es gibt aber auch unglaubliche Dinge: Die an sich recht guten Strassen gehen plötzlich in eine veritable Kraterlandschaft über, welche sogar grosse Sattelschlepper dazu zwingen, ihren Weg zwischen den Badewannen-grossen Löchern zu suchen. Was geht hier vor?! Mit ein paar Kippern voll Split und etwas Teerbelag wäre die Situation unter Kontrolle. Sind hier Mafia-Kämpfe im Spiel oder politische Demonstrationen ums Rechthaben zu Lasten der Bürger?

Die grosse Stadt, der wichtige Hafen nach Bari, Italien und auch bekannte Badeort Durre ist heute ziemlich überschwemmt. Das geht soweit, dass Parkings und Untergeschosse überflutet sind. Die Gully-Deckel produzieren Wasserfontänen - die Kanalisation scheint nicht zu funktionieren. Man kann sich nicht normal auf dem Trottoir bewegen - tiefe Pfützen überall.

Das Ueberraschendste jedoch sind die Zehntausenden von Wohnungen, welche in Neubauten offenbar leer stehen. Hunderte von brandneuen Wohnblöcken mit Geschäftsräumlichkeiten im Erdgeschoss stehen blitzblank da - und sind vollkommen leer. Sowas habe ich noch nirgends gesehen. Irgendwo in China soll es dies zwar auch geben - aber was geht hier in Albanien vor?! Gigantische Fehlplanungen oder einfach Notinvestitionen aus Geldwäscherkreisen - was auch immer. Mistere...

Im übrigen sind zahlreiche Hotels zwar offen, aber menschenleer. Auch Bars und Restaurants scheinen das gleiche Schicksal zu teilen. Ich kann aus diesen Eindrücken keinen Schluss ziehen und werde versuchen, mich morgen, Montag, schlau zu machen. Heute nacht wird es schwere Gewitter geben - das arrangiert die Situation mit den überlaufenden Kanalisationen sicher nicht.

Tirana - und der Rest von Albanien.

Wir konnten es nicht lassen einen Besuch von Tirana anzuhängen. Albanien ist ein viel grösseres Land als man sich einfach so vorstellt. Vieles ist im Süden konzentriert und offensichtlich hat man grosse Hoffnungen auf Tourismus gesetzt - ein offensichtlich grandios gescheitertes Vorhaben.

Tirana ist ähnlich wie Sofia ohne jede Attraktivität für uns 'Westler'. Viel Schmutz, unzählige rumhängende junge Männer und ein Puff auf der Strasse, was man sonst nur in Neapel finden wird. Eine verkehrstechnische Besonderheit sei trotzdem erwähnt: Obwohl korrekt beschildert gilt für die übrigens sehr aggressiven Fahrer hier Rechtsvortritt in den Kreisel.

Man muss sich das vorstellen - alle drängen von rechts in den Kreisel und alles steht still. Dass dann noch wild gehupt wird, ist wohl klar. Kopfschütteln nützt natürlich nichts - man muss schauen, dass man ungeschoren wieder raus kommt, wenn man ein so unförmiges Ding wie den Hannibal bewegen muss.

Weiter in Richtung Shkoder, eine mittelgrosse Stadt an einem grossen See, der sich Skodarsko Jezero nennt. Man wähnt sich in Afrika - aber ist dann überrascht, dass eine moderne Fussgängerzone zum Bummeln einlädt. Allerdings ist die nur gerade in der Stadtmitte zu finden - wie wenn sich ein französischer Urbanarchitekt verirrt hätte.

Kein Ort zum Bleiben und wir fahren weiter und verlassen die Hauptstrasse in Richtung eines kleinen Weilers am 'Fuss der Berge', in der Hoffnung ein ruhiges Nachtquartier zu finden.

Ueberraschende Einladung - lustiger Abend.

Kaum stationiert - anscheined mitten auf dem Dorfplatz - klopft eine junge Frau ans Fenster und frägt auf englisch ob sie was helfen könne. Nein danke, alles ok und Gratulation für ihr gutes Englisch. Kaum eine Viertelstunde später ist sie wieder da und überbringt die Einladung ihrer Eltern für ein Nachtessen. Sollen wir annehmen oder nicht - wir willigen ein. Es wird dann eine interessante und lustige Runde mit der ganzen Familie und einem Neffen, der acht Jahre in England gearbeitet hat. Daher können wir uns bestens unterhalten. Wir tauschen ein paar Geschenke aus und versprechen, über Facebook in Verbindung zu bleiben.

Montenegro macht auf 'Island im Februar'...

Der nächste Staat ist winzig, aber hat eine Badeküste vorzuweisen und ist auf Tourismus aus. Von Serbien verwaltet und obwohl nicht in der EU mit dem Euro aus Währung ausgestattet. Die Menschen, welche wir angetroffen haben, waren alle ausserordentlich freundlich. Das Wetter allerdings ist der Wahn.

Schnee und Sturmböen machen das Vorwärtskommen schwierig. Ich kann es nicht glauben, aber auch in der Hauptstadt Podgornica verlässt keiner den warmen Coach. Es herrscht Schneeregen bei Null-Temperaturen und ein Schirm lässt sich schon gar nicht öffnen!

Wieder mal richtig 'unanständig' futtern!

Also wird schön gegessen. In einem wirklich toll gemachten Restaurant gibt es ein Riesenmenu mit verschiedenen Weinen. Alles, wirklich alles schmeckt hervorragend - aber es ist viel zuviel des Guten und mir wird fast schlecht.

Noch steht eine Passfahrt vor mir und die wird happig auf der frisch gepflügten Strasse, jedoch mit Schneeverwehungen und Windstössen, die unsere Landyacht böse ins Schlingern bringen.

Mit grösster Vorsicht schaffen wir es dann bis ans Meer und werden dann trotz einem Parkplaltz mitten in der Stadt fast die ganze Nacht durchgeschüttelt - so kräftig sind die Böen. Die Satellitenschüssel auszufahren hatte keinen Sinn. Die bog sich in alle Richtungen und war nicht stabil zu kriegen. Noch nie erlebt sowas! Mal schauen, was morgen über Schäden berichtet wird...

Mittwoch, 27. November in Dubrovnik.

Die Einreise in Kroatien, was nun Europa sein soll, heisst, noch einen weiteren Stempel im Pass zu kassieren. Nun ich muss sagen, wir wurden immer sehr bevorzugt behandelt. Keine einzige Durchsuchung - mal reingucken in die gute Stube, Daumen hoch - aber immer sehr respektvoll. Dubrovnik ist voll auf Tourismus getunt. Die Altstadt ist gross und perfekt renoviert. Im Sommer muss es hier von Touristen wimmeln. Nun ist Ruhe. Einige Nonnen huschen herum, denn ein Teil der alten Gebäude sind immer noch als katholisches Kloster in Betrieb - aber sonst ist bei der Kälte nicht viel Volk auf den Beinen. Immerhin - sehr schön gemacht!

Nummerschild weg - seit wann?!

Beim Herumgehen um unseren Bus sehe ich, dass die Nummer hinten fehlt. Abgeschraubt oder einfach bei den miserablen Strassen verloren. Die beiden Inox-Schrauben sind noch dran. Merkwürdig. Gemäss den Fotos erkenne ich, dass ich schon seit Albanien 'hinten ohne' unterwegs bin.

Trotz drei Zollübertritten fällt dies erst jetzt auf. Na gut, was ist schon ein Nummernschild weniger - auch sonst hat die Fuhre schon einige Kampfspuren mitgekriegt. Nun sind noch etwa zweitausend Kilometer zurückzulegen, allerdings auf teilweise miserablen, schmalen Strassen. Erst ab Zadar und natürlich Italien sind wieder Autobahnen angesagt.

Kurzer Besuch in Bosnien-Herzegowina.

Donnerstag, 28. Nov. 2013. Dieses Land hat nach den Wirren des Bosnien-Krieges einen schmalen Streifen mit Meereszugang erhalten. Der Hauptort heisst Neum und ist im Moment ganz ausgestorben - allerdings sind zwei Grenzen mit Zoll zu überschreiten. Distanz: zehn km - Wartezeit 20 Min. Ein Witz, aber so ist es, denn Kroatien ist in der EU und Bosnien eben nicht.

Hier sieht man auch noch einige Spuren des Krieges an Häusern - zerbombte Fassaden und zusammengestürzte Etagen. Um das Zeugs abzubrechen, fehlt offensichtlich das Geld. Nun ja, wer will hier schon hin und auch bleiben?!

Felssturz auf die Strasse.

Weiss der Kuckuck was die da basteln wollten - auf jeden Fall war die Strasse für ein paar Stunden gesperrt. Ich hatte wenig Lust mich auf den Schleichwegen zu versuchen und so wurden wir Zeugen des Spektakels 'Wegräumen der Felsblöcke mit den zur Verfügung stehenden Mitteln!' Link VIDEO

Kroatien hat eine ausserordentlich schöne Küste, welche sich mit den Buchten und an den steilen Küsten gebauten Häusern über hunderte von Kilometer wiederholt. Man sieht, dass hier in den letzen Jahren ein Wahnsinnsgeld verbraten wurde. Das Problem allerdings scheint darin zu liegen, dass nicht genug Kunden vorhanden sind - es steht nämlich das Meiste leer. Kein Wunder, die Zufahrt über die schmale Küstenstrasse - eine Autobahn soll im Bau sein - ist eine Zumutung. Ich sehe keinen einzigen Grund, hier als Ausländer zu kaufen und so ist dem Vernehmen nach auch der Wert der Immobilien um 70 Prozent gesunken.

Split, letzte 'Destination' in Kroatien.

Das Hafen- und Altstadtviertel ist gross und grenzt an den Ferry-Quai. Hier ist wirklich was los. Fährverbindungen bestehen hauptsächlich zu Italien. Wenn man die kroatischen Strassen kennt, vermeidet man die Anreise per Auto...

Heute war grosser Markttag und ausserdem laufen die Vorbereitungen für Weihnachten auf vollen Touren. Krotatien ist katholisch und dies wird damit unterstichen dass zahlreiche Nonnen in voller Montur unterwegs sind. Die Sonne scheint und mit einer Temperatur von gegen 15 Grad sind viele Menschen unterwegs.

Ein paar Deutsche sind mit ihren Autos da - allerdings kaum als Touristen, sondern als Geschäftsleute, welche wohl wissen wollen, was aus ihren Investitionen geworden ist.

Touristen sind vor allem als Chinesen zu erkennen. Drei volle Cars mit Fernostvolk sind eingetroffen - einer mit der Fähre von Italien. Einige der Chinooks laufen mit Gesichtsmasken rum - die Vogelgrippe ist wohl in ihrem Bewusstsein hängen geblieben. Egal, unser Rundgang ist beendet und die Cafés, welche vielfach einen schmuddeligen Eindruck machen, lassen wir links liegen.

Es geht weiter nach Jublijana - aber dies wird ein harter Job. Die Strassen im sehr gebirgigen Land sind nicht von der Sorte, welche ein anständiges Durchschnittstempo zulassen. Schon das GPS rechnet mit weniger als 60 kmh. Das Hinterland ist nicht nur wenig besiedelt, sondern tot, verlassen. Ein echter Schock nach dem pulsierenden Split!

Wir haben nun auf der Tour schon viele verfallene und verlassene Dörfer gesehen, aber noch nie so krass. Kroatien ist wirklich nur an der Küste existent. Wir übernachten in Srb, einem verlassenen Kaff in den Bergen, nahe an der Grenze von Bosnien-Herzegovina - dem 'Feindesland'. Die Tankstelle hat schon um zwei Uhr nachmittags dicht gemacht und die nächste ist hundert Kilometer weit entfernt. Ich will nichts riskieren und eine ruhige Nacht ist willkommen.

Tanken bei Darko im Hinterland.

Also ruhig war die Nacht nicht etwa - auf der Dorfplatz ist der Schneepflug mit Splitanlage am Heck stationiert und der war in der Nacht zwei Mal auf Piste. Ausserdem waren die spärlichen Gäste des 'World Caffee' beim Verlassen des Etablissements ziemlich besäuselt und einer fuhr sogar gegen einen Baum. Das krachte und knirschte ganz schon und eine laute Diskussion folgte...

Immerhin, die Tankstelle war offen und ich füllte Diesel und Wasser mit dem für einen Kroaten aussergewöhnlich netten Typen, namens Darko. Er erklärte mir, dass weit über die Hälfte der Häuser leerstehen, weil es einfach keine Arbeit mehr gibt. Auch die grösseren Städte Split und Zagreb sind jobmässig tot.

Die Menschen aus der Gegend sind mehrheitlich nach Serbien gezogen und finden dort Beschäftigung. Sie besuchen ihre heimatlichen Häuser, welche teilweise ziemlich neu sind, bei Gelegenheit oder mal für ein paar Tage Ferien.

Die Tankstelle ist nur noch halbtags offen, obwohl es im grossen Umkreis keine andere mehr gibt. Immerhin ist Strom vorhanden und die Kreditkarten-Maschine funktioniert. Darko hat ein paar 'Kolonialwaren' im Kassierhaus zum Verkauf, aber ob dies wirklich zum Leben reicht? Geheizt wird übrigens ausschliesslich mit Brennholz und die bewohnten Häuser machen schöne Rauchfahnen wie ich es mit aus meiner Kindheit in Graubünden gewohnt bin.

Slowenien, another World.

Wieder mal Passkontrolle. Slowenien ist schlagartig wieder die Umgebung, welche wir und gewohnt sind. Déja-Vue-Augenblicke versetzen einen mal ins Emmental, mal nach Oesterreich oder in deutsche Einkaufszentren. Die brandneue Autobahn kostet 16 Euros und im Nu sind wir in Ljubljana, der wirklich sauberen und aufgeräumten Stadt. Ich wusste natürlich aus Berichten, dass Slowenien gut tickt - aber die Ueberraschung ist trotzdem gross. Wir finden ein Platz am Fluss und in der Nacht hellt das Wetter auf - aber es wird kalt. Am Morgen dann eitel Sonnenschein und die Kirchenglocken sind dann schon wieder vertraulicher als das Geplärre der Muezzins...

Ljubljana - Sonntag, 1. Dezember

Die Temperatur klettert schnell um ein paar Grade und eine Discover-Walk ist angesagt. Da wir mitten in der Stadt sind, hat man alle Attraktionen in Kürze zu Fuss erreicht. Trotzdem überlege ich mir, ob ich den Scooter nochmals satteln will. Bei dem Wetter...

Ach ja, noch etwas ist ein flagrantes Zeichen hier in Slowenien für den 'Wiedereintritt in die Zivilisation': Rauchverbot in den Cafés. Die 'Ostländer' kennen dies nicht - sogar wenn Zöllner zu Dritt in ihren winzigen Kabäuschen hocken, qualmen Zigaretten. Ich stank nach einem unfreiwilligen Besuch am Zoll noch Stunden nach Zigarettenrauch - so war dies noch vor ein paar Jahren bei uns. Vielleicht ändert dies ja auch bald bei den Muslimen und Orthodoxen - wie wenn dies eine Frage der Religion wäre...!

Bella Italia - oder was davon übrig ist.

Also die Strassen sind in einem ganz guten Zustand. Natürlich ziehe ich die Autobahn vor, auch wenn diese natürlich ganz schön das Budget belastet. Auffällig sind drei Dinge: Erstens sind meines Erachtens die Hälfte aller Fahrzeuge Lastwagen - davon die meisten aus Ungarn, Litauen und anderen Ostländern, welche nicht an Italien grenzen. Vermutlich fahren die hier zu Billigpreisen. Die 'normalen' Autos sind in der Mehrzahl deutsch Oberklasse, Audi und BMW. Kleine und ältere Autos sieht man kaum. Die meiden wohl die Autostrada wegen der Kosten. Das Auffälligste ist jedoch dass die Italiener nicht mehr schnell unterwegs sind. Polizia stradale...

Kleinstädte sind hier noch Kleinode.

Trieste, die Hafenstadt, kann man ja ruhig links liegen lassen. Auch Venedig ist zu der Jahreszeit zu meiden - vor allem bei der Kälte.

Aber es gibt ja überall unentdeckte Perlen, wie ich es wieder besonders gut auf dieser Reise erfahren habe. Natürlich kenne ich Italien seit vielen Jahren und bin öfters mal in Mailand zu einem Kurzbesuch.

Bergamo ist eine gepflegte Stadt - oder war es einmal. Italien leidet auch im Norden stark unter den Flüchtlingen aus Afrika. Obwohl die gut gekleidet und mit neuesten Handies ausgestattet sind, pissen sie halt einfach zwischen geparkte Autos oder gegen Flaschencontainer - von der ewigen Spuckerei gar nicht zu reden. Ok, man soll politisch korrekt wegschauen, aber ich will das nicht! Toleranz ist ja gut, aber sich von diesen Menschen das angenehme Leben kaputt machen zu lassen, fällt mir nicht ein. Also zische ich mal ruhig 'Stronzo' im Vorbeigehen - nützen tut es wohl kaum etwas...

Weihnachtsmärkte , aber nur Rentner zu sehen.

TVielleicht hat es mit Weihnachten zu tun. Es sind einfach kaum junge Menschen zu sehen. Wenn doch fast die Hälfte arbeitslos sind, warum ist denn keiner auf der Strasse?! Vielleicht liegts am Geld oder es wahr einfach zu kalt. Mistere...

Hier fehlt noch ein kleiner Rest meiner Eindrücke. Ich hole dies jedoch bald nach.

Diesmal war vieles ganz anders als bei den bisherigen Trips - es war eine Expedition, 'Europa' bizarr..! Ich habe nun an Ueberzeugung gewonnen und Illusionen verloren.

 


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